Kultur

Kunst Die fünfte Auflage des Ausstellungsprojekts Deltabeben wird heute in Kunstverein Ludwigshafen und Wilhelm-Hack-Museum eröffnet

Große Übersicht der Kunst der Metropolregion

Archivartikel

Kräftige Farben, unerschrockene Formen und eine wilde Ecke: Hier hat Frida Ruiz, mexikanische Künstlerin aus Karlsruhe, zwei Papierdrachen ineinander geflochten, aber rein bildlich, malerisch – unerhört und sehr überraschend. Oder Susanne Neiss aus Mannheim hat in nagelneuen Fotografien das Thema der „Transition“ aufgenommen, oft weiß man nicht, was man sieht, ist überrascht und verzaubert von dargestellten Dingen, die man nicht recht versteht.

Das sind nur zwei Beispiele des großen Ausstellungsprojekts Deltabeben mit 29 Künstlerinnen und Künstlern, die in allen Medien wie Malerei, Zeichnung, Fotografie, Video, Plastik, Installation und Performance tätig waren. Alle zwei Jahre findet diese Regionale in der Metropolregion Rhein-Neckar statt, dieses Jahr schon zum fünften Mal. Etwas fern der großen Akademien in Karlsruhe und Mainz, existiert hier zwar die Freie Kunstakademie Mannheim (FKAM), aber was Mannheim und Ludwigshafen auszeichnet, ist jetzt im Katalog sehr schön zusammengefasst: die Orte!

Als Basis der Auswahl sollte nicht das Lebensalter zählen, sondern allein die Qualität. Das tut der Ausstellung sehr gut, finden sich so etwa eine große Wandarbeit von Gerd Lind ((Jahrgang 1942), die genial auf riesiger Wandfläche mit konkreten Formen spielt, neben einer ausufernden Installation mit Video und Foto von Lukas Rehm und Tilmann Rödiger. Die beiden sind für ihre Arbeit „DEFAULT“ nach Athen gefahren und haben sich mit all dem beschäftigt, was die Gesellschaft im Allgemeinen nicht wahrhaben will: die Flüchtlingsthematik oder das kaputte, arme Südeuropa.

Auch Fotokunst

Aber es wird auch ganz gewöhnlich fotografiert, so beschäftigt sich etwa Torsten Mitsch schon lange mit dem ganz und gar Nebensächlichen, dem Schäbigen, oder Max Huckle, geboren 1987, der noch in Karlsruhe studiert und sich sehr vehement sowohl mit Skulptur als auch mit Malerei oder Zeichnung beschäftigt und eine Freiheit auszustrahlen vermag, die sehr verblüfft.

Im Kunstverein Ludwigshafen ist dann alles ganz anders: Sehr hell und luftig präsentiert sich hier die Szene, angefangen mit Rainer Zerback, dessen Fotografie von einer jungen Falknerin mit Adler auf der Hand das Motiv des Plakats ist. Aber auch Eva Gentner, die zuletzt bei Lions Art ausgestellt hat, ist mit einer neuen Zementarbeit vertreten, ganz rau und dunkel. Auch Frederike Stang, die letztes Jahr ihren Abschluss an der FKAM gemacht hat, ist mit ihren Maden vertreten, riesige aufgerollte Linolschnitte, sehr überraschend. Ebenfalls ganz ungewöhnlich sind die Beton- und Gipsformen von Florian Köhler aus Karlsruhe, der diese aus nicht mehr erkennbaren Alltagsgegenständen baut. Und sehr schön arrangiert vor den großartigen analogen Abzügen von Fotografin Barbara Sophie Nägle. Auch sie beschäftigt sich mit alltäglichen Ansichten, findet aber großartige Blicke.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/kultur