Kultur

Badisches Landesmuseum Historiker erklären bei einem Pilotprojekt Hintergründe zu 1500 Originalobjekten / 50 000 Jahre alter Faustkeil zu bewundern

Großes digitales Archiv und Objekte zum Anfassen

Archivartikel

Ein wenig erinnert Alexander Wolny in seinem weißen Kittel an einen Klinikprofessor. Er streift sich blaue Einmal-Handschuhe über und bittet den Besucher, dasselbe zu tun. Erst dann überreicht er vorsichtig sein „Baby“: ein mehr als 3000 Jahre altes Schwert. Überraschend leicht ist es. Gänsehaut-Gefühl. Damit also haben Menschen in der Bronzezeit gekämpft? Geschichte wirklich begreifen – das ist das Ziel eines Pilotprojekts im Badischen Landesmuseum Karlsruhe.

Zum 100-jährigen Bestehen hat sich das Museum einem grundlegenden Wandel verschrieben. Auf Basis eines digitalen Katalogs sollen Besucher rund 1500 Originalobjekte sehen und teils auch anfassen können. Wobei: Besucher gibt es eigentlich nicht mehr. Sie sollen als Nutzer einen direkten Zugang bekommen – wie in einem Archiv oder in einer Bibliothek.

Der Schlüssel zum Ganzen ist der Nutzerausweis. Er ersetzt die Eintrittskarte und gilt für ein ganzes Jahr. „Ziel ist es, einen ganz neuen, intensiven Zugang zu den Sammlungen zu ermöglichen“, sagt Museumsdirektor Eckart Köhne.

Einzigartig in Deutschland

Schau-Depots gibt es auch in anderen Museen; sie sind aber nicht so radikal nutzerorientiert. „Die Expothek in der Sammlung ‚Archäologie in Baden‘ ist in Deutschland und weit darüber hinaus ohne Parallelen“, sagt Köhne, zugleich Präsident des Deutschen Museumsbundes.

In Karlsruhe wird das Museum zum Zukunftslabor. Statt Aufsichten gibt es „Explainer“, Historiker wie Alexander Wolny. Sie legen Interessierten alte Schätze vor und erläutern Hintergründe – vom 50 000 Jahre alten Faustkeil über die frühzeitliche Gewandfibel bis zum frühmittelalterlichen Schwert.

Die „Expothek“ ist das Herzstück der neuen Dauerausstellung im Keller des Karlsruher Schlosses, die am 13. Juli eröffnet wird. „Es ist unsere Interpretation des modernen digitalen und analogen Museums mit einer besonderen Emotionalität“, sagt Museumschef Köhne.

Geschichtlich Interessierte, Hobbyforscher und Experten können im hellen Museumslabor auch mit einem „ExpoPhone“ – einer Art digitaler Lupe – Hintergründe und Details zu uralten Vasen, Schalen oder Schmuckstücken erfahren. An Medientischen kann man per Touchscreen das Wissen vertiefen oder es spielerisch beim Quizduell und beim Puzzle überprüfen. Der Nutzer kann sein Lieblingsobjekt mit einem 3-D-Scanner hervorheben, bevor er mit VR-Brille in vergangene Welten eintaucht; so kann er zum Beispiel den Alltag in einem Langhaus miterleben. „Archäologie in Baden – Expothek¹“, so der Titel des Projekts, klingt klein – doch die Möglichkeiten, Menschheitsgeschichte am Beispiel der Region zwischen Heidelberg und Bodensee zu erzählen, sind groß. Das illustrieren 13 Highlights verschiedener Epochen.

Die Öffentlichkeit kann das alles nun erstmals beim Museumsfest am 13. und 14. Juli ausprobieren. Am 18. Juli feiert das Museum sein 100-jähriges Bestehen.