Kultur

Enjoy Jazz Sängerin Efrat Alony aus Berlin im Ella & Louis

Großes Kino für die Ohren

Archivartikel

Sie liebe die schnellen Stücke nicht, erklärt sie und kündigt auch für die zweite Zugabe eine traditionelle Jazz-Ballade an. Nach „Body And Soul“ ist es nun „You Don’t Know What Love Is“. Doch von einer Interpretation nach Art der Jazz-Tradition kann in beiden Fällen kaum die Rede sein. Dafür ist die Vorgehensweise der Sängerin Efrat Alony viel zu ungewöhnlich. Im Tempo nimmt sie die Stücke noch langsamer als üblich, manchmal scheint überhaupt keine Bewegung mehr vorhanden. Der Spannung tut es keinen Abbruch, im Gegenteil. Die lebt gerade von diesem flexiblen Timing, und das wiederum ist abgesichert durch ein offenbar unfehlbares Zeit-Gefühl der Sängerin.

Außergewöhnlicher Stimmumfang

Ebenso variabel ihr Umgang mit den Texten der Songs. Wort für Wort erfährt sozusagen eine spezielle Behandlung, wobei sich öfter auch der Duktus der Artikulation ändert, in einem Spektrum von leisem, aber präzisem Raunen bis zum volltönend deklamatorischen Pathos. Für wortlose Vokalisen ist dazwischen ebenfalls Platz, sie profitieren von Efrat Alonys außergewöhnlichem Stimmumfang wie von ihrer mit den besten Instrumental-Improvisatoren vergleichbaren Musikalität.

Das ist großes Kino für die Ohren; auch schon im Hauptprogramm vor den Zugaben, mit eigenen Kompositionen, einem israelischen Volkslied und einer Reihe origineller Bearbeitungen von Barock-Melodien Händels und Bachs. Und einmal sieht man den Film förmlich vor sich: Da greift Efrat Alony zu einem zweiten Mikrofon, angeschlossen an ein elektronisches Wunderkästchen, das für Kathedralen-Echo plus einem richtigen Kirchenchor im Hintergrund sorgt – rein virtuell natürlich, dabei allein aus der Stimme der Sängerin live erzeugt.

Efrat Alony hat den Pianisten Niko Meinhold aus Berlin mitgebracht, wo die gebürtige Israelin studiert hat und lebt. Aber wie kongenial das regionale Tandem von Bassist Dietmar Fuhr und Schlagzeuger Holger Nesweda die für sie neuen komplexen Arrangements bewältigt, verdient durchaus ein besonderes Lob. 

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