Kultur

Grütters hat noch viel zu tun

Jörg Peter Klotz zur Amtszeit der Kultur-staatsministerin

Vier Jahre Monika Grütters als Kulturstaatsministerin - das fühlt sich weniger nach Schluss-, allenfalls nach Halbzeitbilanz an. Denn nach der Bundestagswahl ist kaum eine Konstellation vorstellbar, bei der die Politikerin das Amt als Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien nicht weiter besetzt. Auch, weil die 55-Jährige geräuschlos die Rolle ihres Vorgängers Bernd Neumann ausgefüllt hat, dessen nicht zu unterschätzende Leistung es vor allem war, die bescheidenen Bundesmittel für die Kultur immer wieder dezent erhöht zu bekommen.

Ansonsten ist Geräuschlosigkeit nicht Grütters Haupteigenschaft: Keiner ihrer vier Vorgänger seit Einführung der Position 1998 war so präsent in den Nachrichtenspalten der Feuilletons. Fast scheint es, als habe sie eine Standleitung zur dpa. In die Öffentlichkeit drängt es sie aber weniger aus Selbstzweck. Grütters versteht Kulturpolitik nicht nur als Verteilungsapparatur von Förder- und Preisgeldern. Sie führt quasi permanente Debatten, etwa um zähe Dauerbaustellen der Hauptstadt wie Einheitsdenkmal, Humboldt Forum oder Museum der Moderne voranzubringen - und die millionenschweren Kosten dafür zu legitimieren. Für deren Akzeptanz ist Grütters' Rezept, die Diskussion immer wieder am Köcheln zu halten, sicher richtig. Bahnbrechende Fortschritte sind dabei bisher aber noch nicht zu verzeichnen. Die hat Grütters kompromisslos bei höchst strittigen Themen wie dem Kulturgüterschutzgesetz erzielt, sie kann sich auch Erfolge wie den Ausbau der Provenienzforschung über NS-Raubkunst oder bei der Digitalisierung zugutehalten.