Kultur

Guten Flug!

Archivartikel

Literatur hält man zumeist für eine Sache des kühlen Kopfes. Bei Goethe quält sich ein unterkühlter Intellektueller „im hohen gotischen Zimmer“ mit faustischem Schaffensdrang und der Frage ab, „was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält“.

Bei Schiller ist die dichterische Betriebstemperatur höher, weshalb er vermutlich in sumpfigen, mit Stechmücken verseuchten Rheinauen seit jeher höher im Kurs steht als Goethe. Auch ohne Malaria-Fieber ist Schillers Hitze des Gefechts keinesfalls auf das Militärische und somit seine Historiendramen beschränkt. Was passiert, wenn man sein Festival mit dem Motto „Fieber“ übertitelt, erfahren Schillerfans derzeit knallhart oder eher siedend heiß. Das Festival läuft, der Planet brennt. Wer sich zum Nationaltheater schleppt, sollte badisch bedenken: „Dess kehrt so!“

War es doch Schiller, der beim „Glocke“-Gießen befand: „Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß“ und in „Kabale und Liebe“ „Feuerbrand in junge Herzen“ setzte. Auch bei Dichtkunst und deren Rezeption geht es seinem Wunsch gemäß heiß her: „An der Glut des Gesangs entflammten des Hörers Gefühle, An des Hörers Gefühl nährte der Sänger die Glut.“ So gesehen, herrschen meteorologisch optimale Festivalbedingungen. Und wie sagt der Meister in „Maria Stuart“? „Wo Tausende anbeten und verehren, Da wird die Glut zur Flamme, und beflügelt Schwingt sich der Geist in alle Himmel auf.“ Guten Höhenflug!