Kultur

Mozartfest Würzburg Glanzpunkte zum Finale mit Auftritt der Sängerin Kim Criswell und dem WDR-Funkhausorchester gesetzt

„Happy Birthday, Lenny Bernstein“

Das Mozartfest Würzburg setzte in diesem Jahr zwei Glanzpunkte zum Finale und endete nicht mit der Jupiternacht, sondern als „Nachschlag“ zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein mit einem Auftritt des WDR-Funkhausorchesters aus Anlass der Landesgartenschau in Würzburg. Als ausgewiesene Bernstein-Spezialisten waren der britische Dirigent, Organist und Pianist Wayne Marshall am Pult und die Musical-Entertainerin und Schauspielerin Kim Criswell als Solistin zu erleben.

Verlegung des Konzerts

Witterungsbedingt musste das Konzert mit Evergreens aus Bernsteins Musicals „On the Town“, „West Side Story“, „Candide“ und der Oper „Trouble in Tahiti“ in den großen Saal der Musikhochschule Würzburg verlegt werden, was dem Zuspruch der Zuhörer, erst recht aber der Qualität der Klassik, Jazz, Avantgarde und Broadway verbindenden Musik keinen Abbruch tat.

Wayne Marshall fächerte mit seinem Orchester schon mit der schwungvollen Ouvertüre von „Candide“ nach der gleichnamigen satirischen Novelle von Voltaire, die Vielfalt dieser Komposition von 1956 auf, die keine Grenze zwischen E- und U-Musik kennt. Mit ihren vielen tänzerischen Anleihen beim Tango, Walzer oder der Mazurka bezeichnete Leonard Bernstein „Candide“ als seine musikalische „Liebeserklärung an die europäische Musik“.

Wie vergnüglich und unverwechselbar Bernstein die Vorzüge der europäischen Kunstmusik mit der Tradition der amerikanischen Musikkomödien zu vereinen verstand, zeigten das mit Bläsern und Streichern erster Güte besetzte Funkorchester des WDR und vor allem die charmant auf Englisch parlierende Kim Criswell mit „Lucky to be me“ und „I can cook too“ aus Bernsteins Musical „On the town“, einer Geschichte dreier Seemänner, die an ihrem einzigen Urlaubstag in New York sehr unterschiedlichen Damen nachstellen und dabei für viel Aufregung sorgen. Kaum auf ihren Sitzen hielt es die mit Füßen oder Händen wippenden Zuhörer bei den drei Tanzvariationen „Fancy Free“; es war die erste Ballettmusik des 26-jährigen Bernstein. Bis in die Magengrube wohlig wurde es den Zuhörern, als Kim Criswell mit Verve und viel Stimmvolumen „Dream with me“ aus „Peter Pan“ interpretierte.

Ihr komödiantisches Talent schöpfte Criswell mit „What a movie!“ aus Bernsteins erstem Opernwerk „Trouble in Tahiti“ mit sichtbarem Vergnügen aus; der Titel bezieht sich auf ein fiktives Rührstück aus der Traumfabrik Hollywood, das im Hintergrund eine Rolle für Dinah und Sam spielt, ein Paar, das sich nichts mehr zu sagen hat.

Rauschender Beifall

Criswell erntete rauschenden Beifall für ihren fetzigen Vortrag einer Frau, die sich im Kino in ein schöneres Leben hineinträumt. Besinnlich und zugleich hochemotional sang sie „Somewhere“ aus dem Musical „West Side Story“, mit viel Ironie im Blick und der Stimme erfreute ihr Song „I am easily assimilated“ aus „Candide“ sowie aus „Wonderful Town“ den selbstironischen Song „One hundred easy ways to lose a man“ von einer Ruth, die das krasse Gegenteil ihrer traumhaft schönen und charmanten Schwester Eileen ist.Zudem hat Ruth die dumme Angewohnheit, jederzeit das Herz auf der Zunge zu tragen, was Männer mehr als zu irritieren pflegt.

Nachhaltiges Konzerterlebnis

Mit den Sinfonische Tänzen aus Bernsteins erfolgreichstem Musiktheaterwerk „West Side Story“ rundeten Wayne Marshall und das WDR Funkhausorchester ein nachhaltiges Konzerterlebnis ab, das auch eher klassikferne Zuhörer ganz im Sinne des diesjährigen Mozartfest-Mottos „Aufbruch“ sehr ansprach.