Kultur

Das Porträt Der bisherige Chef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg soll Generalintendant des Humboldt-Forums werden

Hartmut Dorgerlohs Wahl gilt als sicher

Die Verantwortlichen preisen das Humboldt Forum im Berliner Schloss gern als „größtes Kulturvorhaben in Europa“. Auch deshalb muss der künftige Chef eigentlich ein Tausendsassa sein. Heute kürt der Stiftungsrat den 55-jährigen Kunsthistoriker Hartmut Dorgerloh zum „Generalintendanten“. Seine Wahl gilt als so gut wie sicher.

Der gebürtige Ost-Berliner, seit 15 Jahren Chef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, wird als erfahrener Museumsmann, Teamarbeiter und Kommunikationstalent gelobt. Als Grütters ihn im März für das Amt vorschlug, war die Resonanz durchweg positiv. „Eine Supersache“, so fasste es Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat zusammen.

Lange hatte Grütters zuvor nach einem weltweit renommierten Aushängeschild für das ehrgeizige Mammutprojekt gesucht. Denn das Humboldt Forum, direkt gegenüber der Museumsinsel im Herzen Berlins gelegen, soll von Ende 2019 an nicht nur ein Ausstellungshaus werden, sondern auch eine „internationale Dialogplattform für globale kulturelle Ideen“, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Kostenpunkt: Rund 600 Millionen Euro.

Max Hollein etwa wurde gehandelt, Exportschlager aus Österreich, inzwischen zum Direktor des renommierten New Yorker Metropolitan Museum of Art berufen. Schließlich war der Kulturstaatsministerin auch schon vor drei Jahren mit der Wahl des britischen Museumsstars Neil MacGregor zum Gründungsintendanten ein echter Coup gelungen. Doch ausgerechnet dessen Erfahrungen mit den Eitelkeiten der Berliner Kulturszene machten eine Neuauflage unmöglich.

Denn das Humboldt Forum gründet, wie die „Süddeutsche Zeitung“ es einmal formulierte, „auf einem schwindelerregenden Geflecht politischer Interessen“. Nicht nur vier Ministerien und der Bundestag reden mit, auch der Förderverein, eine Bau- und eine Kulturstiftung. Vor allem aber bei den künftigen Nutzern blockierten Engstirnigkeit, Eifersüchteleien und Kompetenzgerangel einen großen Aufbruch.

So fürchtete die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, den Zugriff auf ihre Sammlungen zu verlieren – sie wird mit ihrer ethnologischen und asiatischen Sammlung auf 23 000 Quadratmetern die mit Abstand größte Fläche bespielen. Das Land Berlin, neben der Humboldt-Universität dritter Nutzer, lehnte die von Grütters gewünschte Führung „aus einem Guss“ gar ganz ab und handelte sich einen Sonderstatus aus.

Angesichts der Gemengelage, vielleicht auch wegen des im internationalen Vergleich eher bescheidenen Gehalts, hielt sich die Zahl der Bewerber um den Intendantenposten in engen Grenzen. Die größte Herausforderung für das Humboldt Forum ist nach Einschätzung von Experten der künftige Umgang mit dem kolonialen Erbe. Viele der Ausstellungsstücke stammen aus einer Zeit, in der auch Deutschland sich an den Schätzen in seinen Kolonialgebieten bereicherte. Ausgerechnet dafür gilt Dorgerloh nicht als ausgewiesener Fachmann. Ein Prüfstein wird sein, wie schnell er sich Experten ins Haus holt.