Kultur

Newcomer choreographieren für Tanzmainz und die slowenische EnKnapGroup

Hebeln, Schwingen, Fallen

Im Dunkeln lässt ein Tänzer eine Schnur über Kopf kreisen wie ein Lasso, an dessen Ende ein kleines Licht leuchtet. Dazu bricht ein elektronischer Sound in den Raum wie ein aufkommender Sturm. Auf See käme das kreisende Licht vielleicht vom Leuchtturm, aber "Loop de Loop" spielt nur mit diesem Gedanken. Auf der Bühne im Theater im Pfalzbau ist es inzwischen hell geworden. Eine gewölbte weiße Wand als Hintergrund begrenzt den Tanzraum. An ihr entlang und weiter über den Vordergrund bis an den Startpunkt zurück kreist jetzt ein anderer Tänzer mit weit geöffneten Armen. Schon im Titel der Tanzarbeit von Maria Campos und Guy Nader ist diese gedrehte Figur und die Wegbeschreibung einer Schlaufe vorgestellt. Denn beim "Loop" sind Anfang und Ende verbunden. Und alle Ausdrucksformen, die seiner Struktur folgen - etwa musikalische oder tänzerische - sind der Wiederholung verpflichtet.

Für Campos und Nader, zwei jung Nachwuchstalente aus Spanien, ist aber nicht nur die Wiederholung ein wesentliches Element ihrer choreographischen Konzeption. Aus der Contact Improvisation oder dem Partnering speisen die Künstler ihre tänzerischen Ideen. So wird aus einem Armschwung in "Loop de Loop" ein Hebel, der eine Kette von Bewegungen freisetzt und die Körper der beteiligten Tänzer in ein aufeinander bezogenes Spiel aus Schwüngen mit Armen und Beinen bringt. Oder es spielt das Gewicht eine Hauptrolle, das ein Körper an den anderen Körper abgibt. In "Fall Seven Times", dem zweiten Stück des Abends, setzt das Körpergewicht eine Lawine frei: Sie fallen zueinander, werden mit Schwung in die Luft gehoben, rollen am Boden ab und werden in einem Ruck wieder hoch gezogen. Oder die Tänzer lassen ihr eigenes Gewicht wie ein Perpetuum Mobile zusammenbrechen und wieder aufstehen. Dabei lässt sich das Publikum faszinieren von den scheinbar unaufhaltsam fortlaufenden, niederfallenden und hochfliegenden Körpern. Sie spielen mit Gewicht und dem Gegenstück: Die Leichtigkeit. Wie ein sich immer wieder gegenseitig aufziehendes Uhrwerk funktionieren die Figuren in den beiden am Kreisen und der Schwerkraft orientierten Tanzarbeiten.

Campos und Nader sind in Barcelona ansässig und haben ihre beiden Werke mit zwei verschiedenen Kompanien realisiert. "Loop de Loop" ist mit der renommierten EnKnapGroup aus Slowenien entstanden. Und "Fall Seven Times" für das Tanzensemble des Staatstheater Mainz, das von Honne Dohrmann seit 2014 geleitet wird. Da Dohrmann ebenfalls die Tanzdirektion der Festspiele in Ludwigshafen inne hat, ist es ihm gelungen, beide Kompanien im Pfalzbau zu zeigen. So lässt sich die Handschrift des spanischen Choreographen-Teams an den zwei eindrucksvollen Ensembles und dem technisch äußerst anspruchsvollen Bewegungsmaterial deutlich nachvollziehen: Hebeln, schwingen, fliegen und fallen...