Kultur

Jagoda Marinics Corona-Tagebuch (mit Audio)

Heidelberger Helden

Liebes Corona-Tagebuch,

liebe Leserinnen und Leser,

ich durfte vergangene Woche an einem schönen Projekt mitwirken, von dem ich Ihnen erzählen möchte. Die Bürgerstiftung Heidelberg porträtiert seit Wochen Menschen, die sich in der Corona-Krise eingebracht haben. Das Projekt heißt „Heidelberger Helden“ und ist auf der gleichnamigen Homepage zu finden. Es soll ein Buch daraus entstehen, das von „Gesichtern, Helden und Menschen“ erzählt. Man merkt schon am Untertitel: Die Köpfe hinter dem Projekt feiern keinen schlichten Heldenmythos, sondern Menschen, die sich im Alltag über Widrigkeiten erheben.

> Antworten - Ihre Meinung: E-Mail an Jagoda Marinic

Der Fotograf Christian Buck porträtiert die Menschen, doch zuerst führen sie ein Gespräch mit Nico Walter, der ihre Texte schreibt. Die Bilder und Texte sind bestechend in ihrer Klarheit. Buck fängt die Persönlichkeit der Menschen ein, in einem Setting, das etwas über sie oder ihr Tun erzählt.

So lernt man den Friedhofsmitarbeiter und Sargträger Zbigniew Marek kennen, der davon erzählt, wie es war, Trauernden beizubringen, dass bei einer Beisetzung nur noch zehn Personen gestattet sind. Wolfgang Griesheimer ist Postbetriebsassistent und vergleicht die Corona-Zeit mit dem Weihnachtsgeschäft. Nicole Dannenberg reinigte die Intensivbereiche der Thorax-Klinik, auch die Covid-Zimmer.

Die Porträts sind berührend und zeigen, wie sich Corona durch wirklich alle Bereiche der Gesellschaft gefressen hat. Das alles ist jedoch nicht nur eine Würdigung, es gibt vor allem jedem, der sich mit ihnen auseinandersetzt, die Möglichkeit, zu entdecken, wem wir, vielleicht ohne es zu wissen, etwas zu verdanken haben. Dem städtischen Müllwerker Konstantinos Kongas beispielsweise, der mit seinem Team jeden Morgen um 5.30 Uhr das erhöhte Müllaufkommen entsorgte.

Es sind viele Bilder und sie erzählen von dem, was medial derzeit oft fehlt: von Menschen, die zusammenstehen, die Dinge am Laufen halten, von jenen, die nicht, wie etwa Atilla Hildmann, grell irgendwelche Demos zünden und sich zu Helden stilisieren. Positiver Journalismus, so nennt sich ein Zweig journalistischen Schreibens, der gerade in Krisenzeiten manchmal vergessen wird.

Es ist mir eine Ehre und vor allem Freude, aufgrund des „Corona-Tagebuchs“ mit all diesen Menschen in eine Reihe zu stehen. Sehen Sie sich die Alltagshelden an. Und bleiben Sie gesund!

Jagoda Marinic

Das Tagebuch als Podcast bei Spotify und Deezer.

Das Corona-Tagebuch von Jagoda Marinic finden Sie auch auf den Streaming-Portalen Spotify und Deezer. Bei beiden Diensten ist eine Registrierung erforderlich.

Zum Thema