Kultur

Herz für Tiere

Berlinale-Halbzeit. Das Bäreraten und -tippen beginnt. Selten war man sich unter den professionellen Rucksackträgern – „dunkel oder hell“, fragt die Dame am Ausgabeschalter und händigt dem akkreditierten Medienmenschen kostenlos einen weißen oder grauen, mit Audi-Logo verzierten Allzwecktransportbeutel aus – so uneinig wie dieses Jahr. „Is’ eh wurscht“, raunzt ein Kollege aus südlichen Gefilden, „jeda g’winnt hier an Preis.“ Dem muss widersprochen werden. Denn obwohl in verschiedensten Sparten um den Goldenen, die Silbernen, den Gläsernen und den schwul-lesbischen Teddybären gerungen wird, hat man eine unbedingt noch auszuzeichnende Gruppe bislang übersehen: die Tiere.

Darauf hätte man in der Festivalspitze schon längst kommen können, spätestens seit Agnieszka Holland 2017 in „Die Spur“ ihre Heldin, eine frühpensionierte Veganerin, auf Rachefeldzug schickte – gegen tumbe Männer, die ihrer Jagdleidenschaft frönen. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass sich die nächstjährige Festspiel-Doppelspitze profilieren will, muss ein weiterer Bär her: der „Eisbär“ für die Kategorie „Bestes Filmtier“. 2019 könnte man etwa auszeichnen: die Schleiereule, zu sehen in „Systemsprenger“, den Skorpion in „A Tale of Three Sisters“, die Katze im Transportkorb in „Der Boden unter den Füßen“, Dromedar, Schaf und Wolf in „Öndög“... Und zur Preisvergabe böte sich als Einspieler ein „Best of Grzimek“ an. Gebhard Hölzl