Kultur

Im Redblue-Intersport Heilbronn Bülent Ceylan bringt das Publikum mit seinem Programm „Lassmalache“ zum kollektiven herzhaften Lachen

Hier wird geklotzt und nicht gekleckert

Archivartikel

„Wenn schon Zugabe, dann sollt ihr dran verrecken!“ Flugs den Pferdeschwanz unter die Kapp und den Arbeitskittel angezogen. Im Getöse des Beifalls schmeißt sich Bülent Ceylan in die Klamotten seiner Kunstfigur: Hausmeister Bockenauer, genannt Mompfred. Sein Lieblingswerkzeug, die „Bumbäwassazong“, liegt in der Requisite.

Badischer Minidespot

Stattdessen ist der Comedian als badischer Mini-Despot mit derben Scherzen und Flammenwerfer unterwegs: „Damit kannst du jedem Raucher das Rauchen abgewöhnen“, tönt er, als würde er nur drauf warten, dass jemand fragt: „Haste ma Feuer?“

In Bülent Ceylans jüngster Show „Lassmalache“ wird geklotzt und nicht gekleckert. Alles Mega. Das Bühnenbild ein Breitwand-Panorama in Gestalt einer Zirkus-Arena. Ausgeschmückt mit zahlreichen Scheinwerfern, flirrendem Licht-Design und kunstvoll gestalteten Grafiken. An den Seitenflügeln zwei Video-Bildschirme. Auf die wird der Comedian in Großaufnahme gebeamt, quasi zum Greifen nah, auch für die hinteren Plätze.

Alles mega

Mega auch die Fan-Gemeinde: 2800 Leute sind zum zehnten Bühnenprogramm ins Veranstaltungszentrum Redblue-Intersport gepilgert. Ob sieben Jahre oder 90plus, egal, welches Alter, Bülent ist jedermanns Liebling. „Lachen ist gesund“, so das Motto, unter dem der „Monnemer Türk“ sein, in 20 Berufsjahren gereiftes Personal durch die Spaßarena treibt: den Macho Hasan, quasi ein Ayran- Man, die pseudointellektuelle Anneliese im Pelz, die mehr quietscht als lacht und Mompfred, den Meister der Schadenfreude.

Vom weiblichen Kichern mit Hand vor dem Mund (geht gar nicht), über prusten, Pupslachen und erotischem Lachen (erst stöhnen, dann lachen) bis zum überheblichen Society-Lacher (Aufstoßen mit gequältem Lächeln) hat Bülent ein ganzes Arsenal unterschiedlichster Lacher anlegt.

LacÜbrigens verbraucht man beim Lachen genauso viele Kalorien wie beim Sex. Noch schlanker macht folglich Lachen beim Sex. Wie lachhaft anlassloses Lachen beim Lach-Yoga sein kann, macht er in den Längen 30 Zentimeter, 70 Zentimeter und ein Meter vor – und die Fan-Gemeinde darf unisono nachlachen – zum Brüllen komisch.

Die Sonne lacht, der Mond nicht, der leidet unter dem Jojo-Effekt von abnehmen und zunehmen. Kinder lachen übrigens 400 Mal am Tag, Erwachsene nur noch schlappe 15 Mal, erklärt der Komiker, dessen Humor sich aus mindestens zwei Quellen speist: Väterlicherseits der trockene Witz des Muslims und mütterlicherseits die katholische Frohnatur Hilde, eine geborene Merkel.

Humoristischer Stoff

Letzteres liefert Stoff, um humoristisch über verwandtschaftliche Beziehungen zur Noch-Kanzlerin, Tante Angela, nachzudenken.

Der Deutsche gilt ja gemeinhin als sauertöpfischer, ängstlicher Zeitgenosse, der zum Lachen in den Keller geht. Da lacht er sich dann krumm und schief.

Und der Türke, darf der in der Türkei über Erdogan-Witze lachen? Die Antwort: „Ja, aber nur einmal!“ Gibt es überhaupt nationale Unterschiede beim Lachen? Sind Griechen, Italiener, Polen, Russen im Publikum? Bülent klopft ab, hakt nach, singt für eine Russin und erzählt von einem Besuch bei der Konkurrenz: Er sei in der Synagoge eingeladen gewesen. Dort habe die Lache seines libanesischen Freundes Ali geklungen wie eine Kampfansage.

Er schreckt vor nichts zurück

Bülent, „Ich bin euer Versuchskanake“, schreckt vor nichts zurück. Scherzend mischt er die Diktatoren-Runde Putin, Trump, Erdogan mit einem herrlich sächselnden Kim auf. Dramaturgisch hammerhart toppt er das mit Hitlers „Mein Lachkrampf“ samt Adolfs SS-Störungen. Das Fazit: Lachen löst Spannungen, am besten, wenn gemeinsam gelacht wird. „Ma gucka, wer so do is!“ – mit Kamera bewaffnet turnt Mompfred auf die Suche nach dem Lachen der anderen durch die Menge. Gut, wer jetzt über sich selber lachen kann.