Kultur

Comedy Maxi Gstettenbauer geht im Capitol in die Offensive – und reißt sein Publikum mit / Der schlagfertige Wortakrobat sammelt Erfahrung bei Poetry Slams

Hintergründiger und bissiger Witz

Der deutsche Comedian Maxi Gstettenbauer trumpft im Mannheimer Capitol auf: wortgewaltig, witzig, schlagfertig und voller Tempo. „Lieber Maxi als normal“ heißt sein aktuelles Tourneeprogramm, außer einem Mikro gibt es auf der keine Ausstattung. Ach so, doch, ein Scheinwerfer rückt den Comedian auf dunkler Bühne ins Licht.

Seine Fans wollen ihn ja auch sehen – hören können sie ihn gut, wenn er seine Wort-Kaskaden abfeuert und spontane Kommunikation einstreut. Klar, er hat seine Geistesgegenwart in vielen Poetry Slams gestählt und sich in Formaten der modernen Medien getummelt. Aber live ist live, da fühlt er sich in Mannheim wohl und gibt seine Erkenntnisse als scharfer Beobachter des Alltags zum Besten. Fündig wird er beispielsweise auf dem Kölner U-Bahnhof, wo die kleine, süße, trotzige Sheila das Mitfahren verweigert. Gehorsam ist out, Kinder nerven.

Ein solches war Gstettenbauer aber auch höchstselbst: Er wuchs in der bayerischen Provinz auf, bevor er sich mit 18 nach Köln absetzte, immer getrieben von dem Wunsch, erwachsen zu werden. Er suchte sich seinen Platz im Großstadt- und Mediengetriebe. Jetzt ist Maxi Gstettenbauer 29, und steigert sich auf der Bühne in Rage, das Feuerwerk seiner Pointen pendelt zwischen hintergründig („Du, ich mach ein Selfie von Dir“) und F-Worten, denn ein moderner Zeitgeist beflügelt den jungen Mann mit der großen Klappe, dessen Opel Corsa keine Chance hat gegen ein Reh.

Von Fallstricken und Ärgernissen ist der Mensch umstellt. Die Mehrklassengesellschaft des Datenvolumens, Parkpilot, Gedankenklau, eine Stadt ohne Strom, die dämlichen Tatort-Dialoge, Sexismus-Debatte und der Sturz eines Comedy-Idols aus Übersee versetzen ihn in „Wut und Erschrecken“. Und da ist da noch „Tinder“, dieser kommerziellen App, mit der Liebeshungrige auf die Pirsch gehen.

Ist er nun inzwischen ein bisschen vorangeschritten auf dem Weg zum Erwachsensein? „Hausschuhe sind geil“, verkündet er zum ungebremsten Vergnügen des Publikums.