Kultur

Museumskonzert Die junge polnische Pianistin Julia Kociuban begeisterte in Bad Mergentheim

Hochemotional und überaus leidenschaftlich

Archivartikel

Mit einer durchweg brillanten, phasenweise spektakulären, hochemotionalen und überaus leidenschaftlichen Vorstellung spielte sich die junge polnische Pianistin Julia Kociuban beim jüngsten Museumskonzert im Roten Saal in Bad Mergentheim in die Herzen des Publikums.

Kociuban (geboren 1992 in Krakau) hat sich in jüngster Zeit vor allem mit ihren viel beachteten Schumann- und Chopin-Interpretationen einen Namen gemacht und ist regelmäßig bei Gast bei internationalen, renommierten Festivals.

Anspruchsvolles Programm

Hier präsentierte sie sich mit einem interessanten, anspruchsvollen und (auch den Zuhörer) fordernden Programm mit Werken ihrer Landsleute Karol Szmymanowski und Witold Lutoslawski und einem Klassiker der hochromantischen Klavierliteratur, Robert Schumanns Fantasie op.17.

Dabei erwies sich die junge, mit ihren weichen Zügen noch mädchenhaft wirkende Pianistin als eine für ihr Alter ungewöhnlich reife, ausstrahlungsstarke Musikerpersönlichkeit voll Kraft, Entschiedenheit und Selbstbewusstsein.

Vielfältige Wirkungsmittel

Sie verband Gestaltungswillen mit jugendlichem Temperament und setzte ihre vielfältigen Wirkungsmittel sehr bewusst ein, wozu auch die durchaus beherrschte, nicht theatralische sondern mehr nach innen gerichtete mimische Begleitung gehörte.

Überschwang und Disziplin

Ihr Spiel lebt aus der Spannung zwischen emotionalem Überschwang und pianistischer Disziplin, scheint gleichwohl weniger vorbedacht und reflektiert als vielmehr immer aus der momentanen Eingebung heraus entstanden.

Zum Auftakt Karol Szymanowskys (1882 bis 1937) Variationen op.3: Sie sind ein 1902 entstandenes Jugendwerk des bedeutendsten polnischen Komponisten seiner Epoche, die auch stilistisch an der Schwelle von zwei Jahrhunderten stehen, gründend zum einen in der von Chopin begründeten romantischen Klaviertradition, in manchen Zügen jedoch bereits Entwicklungen des neuen Jahrhunderts vorwegnehmend.

Die gefühlsbeladene und erinnerungsselige Seite dieser Musik liegt Kociuban wohl von Hause aus im Blut, mit großer Geste, sorgfältiger, hingebungsvoller Artikulation inszenierte sie diese auf einem ernsten Ausgangsthema basierenden zwölf Variationen, verstand sowohl intime Stimmungen (etwa in einer schwebenden Mazurka, Nr. 3, oder einem delikat ausgekosteten Walzer) zu beschwören wie auch mit energischer Bravour aufzutrumpfen.

Als ein schwerer Brocken von immerhin einer halben Stunde Spieldauer fordert die 1934 entstandene, dreisätzige Klaviersonate von Witold Lutoslawski (1913 bis 1994) nicht nur den Pianisten sondern auch den willigen Zuhörer.

Wohl nicht zufällig wurde das Werk erst nach dem Tod des Komponisten veröffentlicht – sie zeigt ihn noch auf der Suche nach einer Sprache, noch im Bann des französischen Impressionismus, namentlich Ravels, sowohl in den perlenden Kaskaden des Eingangssatzes (ähnlich den „jeux d’eau“) wie in den hochgetriebenen Schwierigkeiten des abschließenden Andante – ein bravouröser Kraftakt der Interpretin, die aber vor allem in dem hingebungsvoll eindringlich gespielten langsamen Satz ihre intensivsten, schon transzendenten Wirkungen erzielte.

Aufgewühlte Seelenlandschaften

Zum großen Abschluss dann Schumann mit seiner Fantasie op.17: Eine großartige und fesselnde Erkundung der aufgewühlten Seelenlandschaften des größten Romantikers der Klavierliteratur, voll Spannung und Leidenschaft im dramatisch aufgeladenen ersten Teil, gefolgt von einem unwiderstehlich vorwärtsdrängenden Marsch, wunderbar klangschön und innig ausdrucksvoll im ruhigen Finale.

Stürmischer Beifall

Für den lebhaften, ja stürmischen, mit Bravos untermischten Beifall bedankte sich Julia Kociuban in Bad Mergentheim noch mit einem flotten, funkelnden „Minutenwalzer“ von Chopin.