Kultur

Kleinkunst im Engelsaal Auch bei ihrem sechsten Gastspiel in Tauberbischofsheim begeisterten die "Schönen Mannheims" das Publikum

Hochkarätige Stimmungskanonen

Bereits zum sechsten(!) Mal waren die vier Schönen Manheims nun schon im Tauberbischofsheimer Engelsaal zugange und wie immer war auch der jüngste Auftritt in kürzester Zeit restlos ausverkauft. Das fidele Quartett der lustigen Weiber aus Kurpfalz besteht nun seit sechs Jahren und hat sich in dieser Zeit zu einem Unterhaltungsrenner von überregionaler Qualität und Ausstrahlung und mit zahlreichen Auftritten in den einschlägigen Kabarettsendungen entwickelt.

Kein Wunder, die drei Comedy-Chanteusen und ihre kongenialen Begleiterin beherrschen ihr Handwerk mittlerweile aus dem ff, singen, tanzen und streiten sich, dass es eine Art hat, und produzieren sich als hochkarätige und effektsichere Stimmungskanonen mit unfehlbarem Instinkt für das, was ihre naturgemäß vorwiegend weibliche Fangemeinde, die an diesem Abend wieder mal aus dem Häuschen war, von ihnen erwartet. Dazu kommt eine gehörige Portion gar nicht so selbstverständlicher Selbstironie, und ein bisschen Feminismus steckt bei einem Auftritt der "Schönen Mannheims" natürlich auch mit drin, aber in netter Form, ohne die muffige Säuerlichkeit der Berufsfeministinnen, und auch für die Herren der Schöpfung (die bei diesem Event in gar nicht so kleiner Zahl vertreten waren) durchaus genießbar . . .

Klar - auch im aktuellen Programm der Truppe mit dem Titel "Entfaltung" geht es ganz vorwiegend um weibliche Befindlichkeiten mit Botschaften, gerichtet an den weiblichen Teil des Publikums und dem mit verständnisinnigem Lachen und Jubel quittiert, vom männlichen manchmal auch mit leichtem Befremden, nämlich dann, wenn die Männer nicht recht wussten, was an dieser oder jener Pointe (und wenn die Frauen im Saal lachten, musste es sich wohl um eine Pointe handeln) eigentlich so lustig war.

Trotzdem: Mit etwas gutem Willen konnte man auch als Mann die hier angesprochenen Kümmernisse zumindest mitfühlend nachvollziehen - etwa wenn die schwarze Anna Krämer, die blonde Smaida Platais und die rötliche Susanne Back versicherten: "Wir falten jetzt selbst", über Rückenprobleme und Mobbing klagten und einmal mehr wie schon in früheren Programmen das Thema Altern kokett von vorn und hinten beleuchteten. Der moderne Selbstoptimierungswahn (mit einem von Anna Krämer köstlich parodierten "Coachâ" aus USA) wurde tüchtig durch den Kakao gezogen und auch diverse Arten von Phobien in einem herrlich albernen Sketch thematisiert. . .

Und wie vor zwei Jahren demonstrierten Krämer, Platais und Back in diversen, stilistisch breit gefächerten Solonummern - darunter auch mehrere selbst getextete Eigenkompositionen von Anna Krämer - ihre mehr als nur beachtlichen stimmlichen Fähigkeiten (die man schon im bestechenden a-cappella Chor bewundern konnte) und nicht zuletzt ihr imitatorisches Talent für Fremdsprachen. Sie standen mitunter etwas unorganisch oder unverbunden im flotten Fluss des Programms, man kam sich stellenweise vor wie bei einer Casting-Show.

Andererseits macht gerade diese naive Selbstproduktion einen Teil des besonderen Charmes der Truppe aus. Im Ganzen war es ein Abend so richtig zum Wohlfühlen, viel mehr humorig-versöhnlich als boshaft, und nach den über zwei Stunden glänzender Unterhaltung wurden die "Schönen Mannheims" im Engelsaal einmal mehr begeistert gefeiert. Thomas Hess