Kultur

Benefizkonzert im Laudaer Rathaussaal Pianistin Asli Kilic zog die Zuhörer in ihren Bann / Lesung von Barbara Kerschkowsky bereicherte Programm

Höchst erquicklich und voller Poesie

Eine hochwertige Musiklesung mit der in Mannheim lebenden Pianistin Asli Kilic lockte zahlreiche Besucher in den Laudaer Rathaussaal. Das vom Verein „Hilfe für Kinder in Not“ veranstaltete und von Barbara Kerschkowsky mit Auszügen aus der Roman-Biografie „Schumanns Schatten“ von Peter Härtling bereicherte Benefizkonzert galt Hilfsprojekten des Vereins in Tansania, Elfenbeinküste und auf den Philippinen.

Gleich zum Auftakt fesselte der samtige Anschlag, mit dem Asli Kilic aus Robert Schumanns „Kinderszenen“ die vier ersten Stücke „Von fremden Ländern und Menschen“, „Kuriose Geschichte“, „Hasche-Mann“ und „Bittendes Kind“ voller Farbigkeit erstrahlen ließ. Wie manche Klaviersonaten von Mozart gelten die insgesamt 13 kurzen Stücke technisch eher als leicht. Doch die in der Türkei geborene Künstlerin nahm ihr Publikum mit Kostproben ihrer reifen Interpretation auf eine emotional erquickende Reise.

Sehnsucht nach fernen Welten

Die Zuhörer fühlten sich abgeholt, weil sie der Poesie der Kompositionen intensiv nachspüren konnten. Es waren Stücke mit typisch romantischen Elementen wie der Sehnsucht nach fernen Welten oder dem Interesse an ungewöhnlichen und komischen Erlebnissen, deren Poesie die Pianistin mit spürbarer Empathie zu vermitteln wusste.

Mit der jeweils eingeflochtenen Lesung ging so der musikalische Vortrag mit den Auszügen aus „Schumanns Schatten“ eine geglückte Symbiose ein. Denn Barbara Kerschkowsy wählte jeweils zu den Musikstücken passende Zitate, mit denen sie gleichzeitig den Fokus auf entscheidende Lebensphasen des Pianisten und Komponisten Robert Schumann richtete.

Der in Zwickau 1810 geborene sensible Künstler starb bereits mit 46 Jahren. Der Schatten, so die Moderatorin, sei zum einen die Schumann quälende Krankheit und zum anderen der ihn bis zu seinem Tode 1856 in der Heilanstalt in Endenich bei Bonn begleitende Pfleger Tobias Klingelfeld gewesen.

Härtling lässt den Vater August Schumann zu Wort kommen, der das Talent des kleinen Robert erkannte: „Ich werde einen Lehrer für dich finden. Er kann dir Noten beibringen, dir erklären, wohin deine Finger auf den Tasten sollen“. Nach der Schule bekam Robert Unterricht an der Orgel. Zwei seiner Brüder führten die Buchhandlung des inzwischen verstorbenen Vaters weiter. Die Zuhörer bekamen Einblicke in die Familienverhältnisse und Reisepläne des jungen Schumann.

Musikalisch folgten mit „Glückes genug“, „Wichtige Begebenheit“, „Ritter vom Steckenpferd“ „Kind im Einschlummern“ und der letzten und zwölften Komposition, „Der Dichter spricht“, fünf weitere Stücke der „Kinderszenen“. Robert Schumann selbst erklärte einmal, dass es sich bei diesen Stücken nicht um Stücke für Kinder handle, sondern um eine „Rückspiegelung eines Älteren für Ältere“. Eine treffende Charakterisierung, denn die Pianistin brachte ein Wechselspiel von kindlich-heiteren und verhalten-melancholischen Empfindungen zu Gehör.

Im letzten Stück ließ Asli Kilic mit feinsten Nuancen tief in die Seele Schumann blicken. Es war eine treffliche Überleitung zur Biographie, denn Härtling berichtet von Schumanns Trauer an Jean Pauls Grab in Bayreuth, während er mit Heinrich Heine in München im Englischen Garten spazierte.

Dieser fragte den angehenden Abiturienten, was er denn werden wollte: „Dichter oder Musiker“ war die Antwort, die Heine spöttisch kommentierte, er solle sich doch eine Sache aussuchen; am besten Musiker, denn das Dichten solle er ihm – Heine – überlassen. Als dann die Entscheidung für die Musik gefallen war, kam Friedrich Wieck (1785 bis 1873), der Vater von Clara Schumann, ins Spiel. „Er war in Leipzig Inhaber einer Klavierfabrik und eines Musikalienleihinstituts. Robert Schumanns sehnlichster Wunsch war es, von Wieck unterrichtet zu werden, der mit großem Erfolg seine Tochter Clara ausbildete und ihr mit Konzerttourneen zu großer Berühmtheit verhalf. Wieck nahm Robert Schumann schließlich als Klavierschüler an und ließ ihn bei sich als Untermieter einziehen. Ab 1835 waren er und die junge Clara Wieck (1819 bis 1896) ein Liebespaar, doch Friedrich Wieck wollte diese Liaison mit allen Mitteln verhindern. Anschaulich schildert Härtling, mit welchen drastischen Mitteln der Vater dem Paar jeglichen Kontakt zu verbieten suchte.

Perlende Leichtigkeit

Musikalisch folgten in einer stimmigen Überleitung die beiden ersten Sätze aus „Bunte Blätter“ op. 99. Den ersten Satz hatte Robert Schumann Clara gewidmet, wie die Pianistin dem Publikum mitteilte, um dann nach der Pause das 14. („Kleine Studie“) und das 16. Stück („Erster Verlust“) aus Schumanns 43 Einzelstücke umfassenden „Album für die Jugend“ zu spielen. Mit perlender Leichtigkeit brachte sie diese heiteren Miniaturen zu Gehör.

Nach weiteren Auszügen aus Härtlings Biografie zum Verhältnis des späteren Ehepaares Clara und Robert Schumann interpretierte die Pianistin mit energischer bis verhaltener Noblesse „Äußerst bewegt“ und „sehr langsam“ zwei Sätze aus dem auch technisch sehr anspruchsvollen Klavierzyklus „Kreisleriana“ op. 16, den Robert Schumann in Anlehnung an E.T.A. Hoffmanns fiktive Figur des Kapellmeisters Kreisler schrieb und seiner geliebten Clara widmete.

Doch deren Vater pochte auf eine Umbenennung, so dass der Komponist den Zyklus dann dem jungen Frederic Chopin widmete.

Nach dem ersten Satz der „Novoletten“ op. 21 folgte als künstlerisches Sahnehäubchen „Träumerei“, das berühmteste, anrührende Stück aus den „Kinderszenen“; rein und klar gespielt mit einer Sogwirkung, der sich kein Zuhörer entziehen konnte.