Kultur

Klassik Nikola Diskic und Alexander Fleischer im Rosengarten

Hohe Schule des Liedgesangs

Spätestens an diesem Abend ist der erstaunliche Nikola Diskic, erst 35-jährig, im Olymp des Liedgesangs angekommen. Seit 2011 im Ensemble der Mannheimer Oper, hat der junge Bariton sich unermüdlich in Meisterkursen bei großen Kollegen weitergebildet. Seine Liederabende seit 2015 zeigen ein stetes Crescendo in der anspruchsvollsten aller Gesangskünste: hohe Charakterisierungskunst bei tiefer Empfindsamkeit, perfekte Registerverblendung bei luxuriösem Timbre und makellose Artikulation in allen Sprachen.

Wolfgang Neumann geehrt

Der Richard-Wagner-Verband, der an diesem Abend außerdem den Heldentenor Wolfgang Neumann zum Ehrenmitglied ernannte, hatte mit Diskic und seinem kongenialen Klavierpartner Alexander Fleischer ein erlesenes Programm zusammengestellt. Auch diesmal fiel der hohe intellektuelle Anspruch auf, den Diskic bei seinen (stets auswendig gesungenen) Liedprogrammen walten lässt.

Vertonungen von Goethe-, Schiller-, Heine- und Eichendorff-Texten von Franz Schubert und Robert Schumann, dann als Hommage an den gastgebenden Verband „Die beiden Grenadiere“ von Richard Wagner, die allerdings, mit Verlaub, dem Vergleich mit der bekannten Schumann-Vertonung nicht ganz standhalten.

Abgesehen von der wunderbar beseelten, in strömendem Legato gesungenen „Mondnacht“, bevorzugte Diskic an diesem Abend dramatische Werke, oft mit einem gehörigen Schuss Dämonie („Belsazar“ oder „Waldesgespräch“). Dies verstärkte sich noch im zweiten Teil mit Hugo-Wolf-Liedern, drei Loewe-Balladen und Schuberts grausigem „Erlkönig“, prächtig mitgestaltet von dem sensiblen Alexander Fleischer.

Für die ausgedehnten Ovationen dankten die Künstler mit dem vielfach ersehnten „holden Abendstern“. WB