Kultur

Hustvedt denkt nach

Was ist der Mensch? Was ist Geist und was Bewusstsein? Funktioniert das Gehirn wie eine Rechenmaschine und ist es demnach nur eine Frage der Zeit, bis auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz Maschinen konstruiert werden, die über die mentalen Fähigkeiten eines Menschen verfügen? Siri Hustvedt stellt sich diesen Fragen mit großer Skepsis, wie es überhaupt ihr primäres Ziel ist, die grundsätzliche Begrenztheit wissenschaftlicher Aussagen und ihre Gebundenheit an einen jeweiligen Kontext aufzuzeigen. Hustvedt, als Autorin von Romanen wie „Der Sommer ohne Männer“ und „Die gleißende Welt“ bekannt, fasst in ihrem Essay Forschungsergebnisse seit dem Beginn der Neuzeit zusammen, die sich um ein konsistentes Menschenbild bemühen. Und sie kommt zu dem Schluss: Der Mensch lässt sich weder allein auf seinen Körper noch auf seinen Geist beschränken, sondern muss im dynamischen Zusammenspiel beider Hemisphären begriffen werden. Den Roman würdigt Hustvedt als Kunstform, die den Menschen als fantasiebegabtes Wesen zeigt, das sich auf diese Weise seine Welt erschließt. Eine Fähigkeit, wie sie keine Rechenmaschine zustande bringt. Hustvedts Thesen sind weder neu noch außerordentlich originell, aber ein klares Statement gegen vorschnelle und reduktionistische Urteile darüber, was wahres Menschsein ausmacht. urs

Die Illusion der Gewissheit. Rowohlt. Reinbek bei Hamburg, 416 Seiten, 24 Euro