Kultur

Konzert „Nickelback“ gastierte in der Stuttgarter Schleyerhalle

Hymnen mit viel Schmackes

Archivartikel

Der Montag nach dem „Rock im Park“/„Rock am Ring“-Wochenende ist kein guter Tag für Rockkonzerte. Diese leidvolle Erfahrung muss „Nickelback“ in Stuttgart machen. Die kanadische Band, in den letzten Jahren Garant für volle Groß-Arenen, lockt gerade mal rund 6000 Besucher in die Schleyerhalle. Doch Chad Kroeger und seine Mitstreiter hindert die halbleere Arena nicht daran, gut gelaunt 20 Songs in zwei Stunden abzufeuern und bei den, in der Mehrheit weiblichen, Fans so für überaus zufriedene Gesichter zu sorgen.

„Nickelback“ wird von den Kritikern immer wieder vorgeworfen, dass ihre Songs sich ähneln wie ein Ei dem anderen. Bei ihren Hits mag dies stimmen, doch das Konzert in Stuttgart stellt eindeutig unter Beweis, dass dies nicht für alle Songs gilt. Auch die neue Scheibe „Feed the Maschine“, ist ein Beleg dafür, dass das Repertoire nicht nur variabler, sondern auch härter ist. Und mit dem Titelsong des aktuellen Albums starten die Kanadier auch überaus kraftvoll in den Abend, den sie nach zwei Stunden mit einem ebenso wuchtigen, weil mit „James-Hetfield-Gitarre“ (Chad Kroger) gespielten „Burn it to the Ground“ beenden. Dazwischen liegen kurzweilige 120 Minuten, die natürlich alle Hits ihrer Karriere beinhalten.

Zudem gibt es Songs aus allen Phasen der Bandgeschichte, die auch mal das Hit-Korsett sprengen. Aber auch hier wird nicht so sehr das Einzelspiel betrieben, sondern vielmehr das Zusammenspiel gepflegt. Schnörkellos geht es durchs Programm. Die Balladen sind wohldosiert, doch der Mitsing-Faktor ist aufgrund der eingängigen Hooklines stets hoch.

Und „Nickelback“ fahren an diesem Abend große Geschütze auf. Die Bühne ist riesig, Light-Show und LED-Wand furios sowie der Sound laut, aber gestochen scharf. Die Präsentation kann kaum besser sein.

Hinzu kommt, dass die Herren Musiker sichtlich Spaß an ihrem Tun haben. Mit launigen Ansagen ernten Mastermind Chad Kroeger und Gitarrist Ryan Peake so manchen Lacher und sorgen dafür, dass zwischen Band und Publikum kein Graben entsteht.

Die Hits sind geschickt über das gesamte Set verstreut, und bei „Rockstar“ darf Tatjana aus dem Publikum mitsingen – und sie tut das überaus professionell. Mit „How You Remind Me“, das als letztes Stück des regulären Sets kredenzt wird, haben „Nickelback“ zudem einen echten Klassiker am Start, der für Begeisterungsstürme sorgt. Ein gelungener Abend. Schade, dass nicht mehr gekommen sind.