Kultur

Das Interview Rapper Samy Deluxe spricht über Kindheit, Karriere und sein „SaMTV Unplugged“-Album, das heute erscheint

„Ich brauche meinen Freiraum“

Archivartikel

Rapper Samy Deluxe, 40, sitzt auf einer Bank vor seinem Restaurant „Gefundenes Fressen“ im Hamburger Karoviertel. Er trinkt frischen Pfefferminztee, wirkt vollkommen entspannt. Dabei hat der gebürtige Hamburger, der in einem kleinen Dorf in Niedersachsen wohnt, gerade viel um die Ohren. Um sein Album „SaMTV Unplugged“, für das er seine Lieder akustisch neu eingespielt hat, zu promoten, hastet er von einem Termin zum nächsten.

Samy, warum haben Sie Ihre CD „SaMTV Unplugged“ ausgerechnet auf einem Boot aufgenommen?

Samy Deluxe: Weil ich ein Hamburger Jung’ bin, sollte meine Heimatstadt repräsentiert sein. Als ich im Internet ein Bild der „MS Bleichen“ mit ihren verrosteten Metallwänden und ihren Holzplanken auf dem Boden gesehen habe, war ich sofort verliebt. Ich wollte unbedingt dort meine musikalische Zeitreise von 1998 bis 2018 machen.

Dafür haben Sie sich Gäste wie Nena, Max Herre, den Heidelberger Torch oder Patrice eingeladen.

Deluxe: Mit all diesen Musikern habe ich im Laufe der Jahre wirklich Songs gemacht. Bei mir gibt es nicht nur HipHop pur, ich bin genauso für andere Musikstile wie Reggae, Funk oder Soul offen.

Mit Xavier Naidoo rappen Sie aber bei „Adriano“. Wie war es für Sie, mal wieder mit ihm auf der Bühne zu stehen?

Deluxe: Mal wieder? Es ist ja noch nicht so lange her, dass ich mit Xavier eine recht intensive Zusammenarbeit bei „Sing meinen Song“ hatte. Aber „Adriano“ ist ein ganz besonderer Track, der alle, die da mitgemacht haben, betrifft. Es war natürlich großartig, dass Xavier gekommen ist, um das Stück mit uns zu performen.

Für „Füchse“ gesellen sich die Beginner zu Ihnen. Die Band hat Sie zu Beginn Ihrer Karriere gefördert.

Deluxe: Vor allem Eizi (Jan Delay, Anm. d. Red.) war mein Mentor. Er hat mir und DJ Dynamite beigebracht, wie man einen Sampler bedient: den Casio FZ-1. Von 1996 bis 1999 hat er uns außerdem gemanagt. Bis wir unseren Major-Deal unterschrieben haben. Eizi war damals die Instanz für HipHop. Ich habe ihm meine Demos vorgespielt, er hat mir Feedback gegeben.

Hingen Sie eigentlich schon als Junge mit Jan Delay ab? Sie sind ja beide in Hamburg-Eppendorf aufgewachsen.

Deluxe: Wir haben uns tatsächlich erst durch die Musik kennengelernt. Ich kannte nur Denyo ein bisschen durchs Skaten. Er, sein Bruder und ich waren damals die einzig dunkelhäutigen Menschen in unserem Stadtteil. Von daher konnten wir uns gar nicht übersehen.

Haben Sie sich mal gefragt, was aus Ihnen geworden wäre, wenn Sie Jan Delay und die anderen Jungs nicht kennengelernt hätten?

Deluxe: Sicher war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Doch selbst wenn ich in einem anderen Viertel aufgewachsen wäre, hätte es mich zum Rap gezogen. Ich bin nämlich sehr qualifiziert für meinen Job.

Dabei war Musik für Sie anfangs nur ein Hobby.

Deluxe: Zuerst bin ich in Jugendhäusern oder bei Hip-Hop-Jams aufgetreten. Da gab es keine Gagen, höchstens Fahrgeld. Im Endeffekt habe ich mit dem Rappen nichts verdient, sondern musste sogar noch in Equipment oder neue Platten investieren. Das war für mich völlig okay. Ich habe nie gedacht, dass mit der Musik Geld reinkommen müsste. Weil mein Lebensstil das auch nicht erfordert hat.

Dennoch sind Sie mit Musik verhältnismäßig schnell reich geworden.

Deluxe: Auch wenn es nicht geplant war: Ich habe der ersten Generation angehört, die Rap zu ihrem Job gemacht hat. Wir haben auf nationaler Ebene dazu beigetragen, dass sich Hip-Hop von der Subkultur zum größten Genre der Welt entwickelt hat. Nachdem wir mit Dynamite Deluxe 1999 unseren ersten Plattendeal in der Tasche hatten, kam relativ schnell Geld rein. Aber selbst wenn ich nie einen Cent gekriegt hätte, würde ich heute noch Musik machen. Von meiner Persönlichkeit her passe ich nämlich nicht in diese normale Arbeitsstruktur mit Hierarchien. Ich brauche meinen Freiraum.