Kultur

Film Festival Cine Latino nächste Woche in der Region

Identität und befreite Lust

Archivartikel

In seiner 18. Ausgabe versammelt das beliebte Filmfestival Cine Latino erneut „Filmentdeckungen aus Lateinamerika“. Vom 9. bis 16. Mai präsentieren das Mannheimer Cinema Quadrat und das Heidelberger Karlstorkino in bewährter Kooperation „eine Vielfalt von filmischen Einblicken in mittel- und südamerikanische Lebenswelten“, so die Selbstbeschreibung. Elf aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme stehen auf dem Programm. Der überwiegende Teil davon war bislang in hiesigen Kinos nicht zu sehen. Und wie immer werden die Filme in der Originalsprache mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Einen besonderen, primär kulinarischen Genuss verspricht der Film „De ollas y sueños“ (Von Töpfen und Träumen), denn im Anschluss an die Vorführung serviert die Köchin Clarisa Bravo den Gästen einen „peruanischen Gaumenschmaus“. Die Filme der produktionsstarken Länder Argentinien und Chile bilden einen Schwerpunkt des Programmes, das auch eine Wiederbegegnung mit den international preisgekrönten Filmen „El ciudadano ilustre“ (Der Nobelpreisträger) und „Una mujer fantástica“ (Eine fantastische Frau) ermöglicht.

Vor allem das letztgenannte, von Sebastián Lelio inszenierte Drama über den so mutigen wie verzweifelten Kampf einer Transgender-Frau, die in der Trauer um ihren verstorbenen Geliebten auch ihre sexuelle Identität behaupten muss, steht für eine thematische Tendenz des Programms: In überraschend vielen Beiträgen geht es entweder um die Verteidigung individueller sexueller Selbstbestimmung oder aber um eine entgrenzende Freiheitserfahrung in der lustvollen Ekstase.

Vielbeachteter Regisseur

Während in Pepa San Martíns einfühlsamer Coming-of-Age-Geschichte „Rara“ die heranwachsende Heldin mit den Vorurteilen ihrer Umgebung gegenüber der gleichgeschlechtlichen Liebe ihrer Mutter konfrontiert wird, sucht in der innovativen brasilianischen Mini-Serie „O Ninho“ (Das Nest) ein jugendlicher Deserteur in der queeren Subkultur von Porto Alegre nach seinem verschwundenen Bruder. In Lukas Valenta Rinners bildstarker Groteske „Los decentes“ (Die Liebhaberin) prallen zwei Lebensrealitäten aufeinander, als das Hausmädchen einer reichen Familie hinter hohen Mauern auf das freizügige Sexleben eines Nudistencamps trifft. Der vielbeachtete mexikanische Regisseur Amat Escalante konfrontiert uns in seinem so realistischen wie mit fantastischen Elementen angereicherten Sozialdrama „La región salvaje“ (The Untamed) schließlich auf irritierende Weise mit der „primitiven Seite von allem“: der puren sexuellen Lust. Verkörpert wird diese von einem animalischen Alien, das alle, die sich ihm hingeben, stark verändert.