Kultur

Stuttgarter Komödie Erstaufführung eines Hildegard-Knef-Programms

Illusion eines Theaterabends

1970 veröffentlichte die 1925 in Ulm geborene, 2002 in Berlin gestorbene Hildegard Knef ihre Autobiografie unter dem Titel „Der geschenkte Gaul“. Dieses Werk wurde in 17 Sprachen übersetzt und zum international erfolgreichsten Buch eines deutschen Autors seit 1945. Es diente als Vorlage für das Zwei-Personen-Stück von James Edward Lyons, das in der Stuttgarter Komödie im Marquardt erstaufgeführt wurde.

Da steht nicht nur einer der wenigen deutschen Weltstars des Theaters, des Films, des Fernsehens und des Gesangs auf der Bühne, den Ella Fitzgerald einmal als die „beste Sängerin ohne Stimme“ bezeichnet hat. Hildegard Knef ist gleich doppelt zu bewundern, zum einen als Hilde, zum anderen als Knef.

Das rührt daher, dass die eine Schauspielerin – Sophia Euskirchen – die junge Hilde und die andere – Antje Reitz – die reife Knef verkörpern. Diese zwei singen manchmal hinter- und dann auch wieder miteinander. Das hat aber auch zur Folge, dass zuweilen einiges durcheinandergeht. Oder mit anderen Worten, das Ganze ist weniger eine Folge von Stationen, verbunden durch einen roten Faden, sondern eher eine bunte Mischung bekannter, aber auch weniger bekannter Chansons und Songs, die mit dem Namen ihrer Interpretin in Verbindung gebracht, werden. Aber nicht genug damit, immer wieder wird Biographisches eingestreut.

So erfährt man etwas aus der Kindheit von Hildegard Knef, von ihrer Ausbildung zunächst als Zeichnerin in der Trickfilmabteilung der UFA-Filmstudios, denn zur Schauspielerin und von ihren ersten Filmauftritten in den späten Kriegsjahren, aber auch von ihrer Rolle im ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“, 1946. Selbstverständlich darf auch „Die Sünderin“ 1950 nicht fehlen.

Und dann hört man vor allem Lieder und Chansons, einst gesungen von Hildegard Knef, „Ich brauch’ Tapetenwechsel“, „Alles dreht sich im Kreise“, „In dieser Stadt kenn’ ich mich aus“ und den Titelsong des Abends, ‘“Für mich soll’s rote Rosen regnen“, dazu noch viele andere, mehr oder weniger bekannte, nicht aber „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“, „ich hab noch einen Koffer in Berlin“ und „Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen“ – und das bei der „waschechten“ Berlinerin Hildegard Knef.

Die musikalische Leitung hat der Pianist Horst Maria Merz, der auch schon einmal singt oder als Stichwortgeber fungiert. Dazu kommt Jan Mikio Kappes am Kontrabass. Der Ausstatterin Su Sigmund genügen ein paar Requisiten und ein zuweilen mit einem Goldlamé-Vorhang bestückter Rahmen. Die (junge) Hilde verkörpert Sophia Euskirchen, Antje Reitz ist die (reife) Knef.

Dabei ist Antje Reitz in jeder Beziehung, sowohl stimmlich als auch darstellerisch und im Ausdruck, ihrer Kollegin in jeder Beziehung überlegen. Und da fragt man sich dann auch, wozu diese Aufspaltung der Hildegard Knef in zwei Rollen, die nicht einmal dramaturgisch zwingend notwendig ist, wenn so auch eher die Illusion eines Theaterabends vorgegaukelt wird. Regie bei dieser Aufführung, die nicht besser war als eine One-Woman-Show, führt Frank-Lorenz Engel. Dieter Schnabel