Kultur

Pop Jim Kahr und Ian Fullwood im Casino des Capitols

Im Stil weit ausgreifend

Archivartikel

Wenn Jim Kahr in seiner Wahlheimat Rhein-Neckar gastiert, ist der Laden meist gut besucht. Auch wenn die Bühnen mittlerweile kleiner gewählt werden, hat der Bluesbarde eine treue Anhängerschaft. Zusammen mit dem gebürtigen Sheffielder und inzwischen ebenfalls hier ansässigen Saxofonisten Ian Fullwood bittet Kahr zu einem kleinen Auftritt ins ausverkaufte Casino des Mannheimer Capitol.

Was die beiden vortragen, ist in gewisser Weise ein Sammelsurium von Hits der 60er Jahre, angereichert mit Eigenkompositionen von Kahr und Fullwood. Warum Kahr stilistisch derart unterschiedliche Songs wie „What a Wonderful World“ mit Soulstücken der Temptations, dem Blues eines Bobby Bland, einem kleinen Flamenco, „La Bamba“ oder dem Doors-Hit „Baby Light my Fire“ mixt, bleibt sein Geheimnis. Ein Gefühl der programmatischen Beliebigkeit bleibt. Schade auch, dass alle Stücke auf eine Duobesetzung mit Playback-Rhythmus und -Harmonien zugeschnitten wurden.

Nichts an Qualität eingebüßt

Vielleicht liegt es an den finanziellen und räumlichen Begrenzungen des kleinen Raums – aber musikalisch beziehungsweise klanglich hätte dieses durchaus routiniert spielende Duo durch die Hinzunahme von Bass und Schlagzeug gewonnen. Andererseits gilt die volle Aufmerksamkeit hier der Musik und den Improvisationen der beiden Künstler. Ein Fazit des Duo-Abends mit Kahr und Fullwood lässt sich dennoch ziehen. Fullwoods Saxofonsoli, geprägt von soulig-bluesigen Melodien, sind absolut hörenswert. Und auch Jim Kahrs Spiel und Gesang hat nichts von seiner Qualität eingebüßt. Mit einer entsprechenden Backline und auf einer etwas größeren Bühne wäre der Genuss aber noch größer gewesen. A.B.A.