Kultur

Film Die Verschiebung des Starttermins von „James Bond – Keine Zeit zu sterben“ ins Frühjahr 2021 trifft viele Kinos ins Mark

„Immer mehr Leute entwöhnen sich“

Archivartikel

Nachdem Christopher Nolans Film „Tenet“ die Erwartungen noch übertroffen hat und trotz Corona-Krise seit August bislang fast 1,4 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos lockte, schöpften die Betreiber Hoffnung. Zumal sich mit „After Truth“ danach ein zweiter Blockbuster für junge Filmfans etablieren konnte. Die Nachricht von der vierten Verschiebung von „James Bond – Keine Zeit zu sterben“ vom 12. November in den April 2021 trifft vor allem größere Kinos ins Mark.

Die internationale Kette Cineworld kündigte kurz darauf an, sämtliche Filmtheater in Großbritannien und Irland sowie über 500 Kinos in den USA vorerst zu schließen. Das Branchenportal „Blickpunkt: Film“ kommentiert die Bond-Verschiebung spitz: „Die Hiobsbotschaften für die Kinos häufen sich. Wie vom Winde verweht sind Hollywoods Blockbuster (...) Selbst James Bond gibt Fersengeld.“

Laut Ralf Holl, Vorstand der mittelständischen Genossenschaft Kinomarkt Deutschland, litten viele Kinos in Rheinland-Pfalz darunter, „dass sämtliche größeren US-Filme auf 2021 verschoben werden. Wir haben kein Futter mehr für junge, action-affine Zuschauer.“ Er befürchtet: „Immer mehr Leute entwöhnen sich vom Erlebnisort Kino, die nehmen den gar nicht mehr wahr.“

Andere Länder, andere Regeln

Wegen der Abstandsregeln könnten in seinem Bundesland nur 25 bis 30 Prozent der Sitzplätze genutzt werden, in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel dürften deutlich mehr Zuschauer in die Kinos: „Da ist bis jetzt keine Infektion bekanntgeworden“, betont Holl, Betreiber des Lichtspielhauses in Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis. Er könne sich gar nicht ausmalen, was passiere, wenn der Insolvenzschutz wegbreche.

Frank Noreiks, Geschäftsführer der beiden Mannheimer Multiplex-Kinos Cineplex und Cinemaxx sowie eines großen Filmtheaters in Neustadt, blickte am Sonntag auf Anfrage etwas hoffnungsvoller in den cineastischen Herbst: „Dass der neue Bond trotz angelaufener Kampagne mit Trailer und Billie Eilishs Titelsong erneut verschoben wurde, ist natürlich sehr schade.“ Es gebe aber Anzeichen, dass andere Verleiher die im November entstandene Lücke durch Vorverlegung anderer Filme nutzen. „Das macht Hoffnung.“

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