Kultur

Schauspielhaus „„Die Katze auf dem heißen Blechdach“

Immer noch sehenswert

1955 fand die Uraufführung von „Cat on a hot tin roof“ in New York statt, noch im selben Jahr die deutsche Erstaufführung von „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ in Düsseldorf. Drei Jahre später wurde das Stück, mit Elizabeth Taylor und Paul Newman in den Hauptrollen, verfilmt und für sechs Oscars nominiert. Inzwischen gehört das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Schauspiel Tennessee Williams zu den amerikanischen Klassikern. Jetzt wird es zum ersten Mal im Alten

Schauspielhaus in Stuttgart gezeigt.

Ort, Zeit und Handlung

Der am 65. Geburtstag im Herrenhaus von Big Daddy, einem Plantagenbesitzer im Mississippidelta, der es als Selfmademan zum Multimillionär gebracht hat, spielende Dreiakter folgt dem aristotelischen Prinzip der Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Aber nicht das allein zeichnet dieses Drama aus. Vielmehr sind es die psychologisch stimmenden Zeichnungen der handelnden Personen und die Thematik, die dieses über 60 Jahre alte Schauspiel immer noch sehenswert machen.

„Die Wahrheit ist etwas Verzweifeltes“ heißt es einmal. Und um sie und die Lüge geht es, daneben um den Verfall der Südstaaten-Gesellschaft, um erotische Beziehungen, um Homosexualität und Alkoholismus, um Probleme, die Tennessee Williams immer wieder aufgegriffen hat. In diesem Fall geht es um das Krebsleiden von Big Daddy, von dem alle, außer ihm und Big Mama, seiner Frau, wissen. Es geht um die Alkoholsucht von Brick, dem Lieblingssohn von Big Daddy, der er seit dem Tod seines Freundes Skipper und der Bezichtigung seiner Frau Margaret, er sei homosexuell, verfallen ist. Es geht um eine unbefriedigte Frau, die er seither nicht mehr anrührt. Und es geht darum, dass Margaret Big Daddy, der nicht Gooper, seinen ältesten Sohn, und dessen Sippschaft als Erben will, anlügt, sie bekomme ein Kind. Und mit dieser Lüge, die dann wohl auch zur Wahrheit wird, rettet sie ihre Ehe mit Brick.

Der Ort der Handlung im Alten Schauspielhaus in Stuttgart ist ein von Lars Peter, der auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, geschaffenes Einheits-Bühnenbild. Da sieht man vor einem grünen Rundbogen ein französisches Bett, ein Ledersofa, darum herum unzählige volle, halbvolle und leere Whisky-Flaschen, Stühle, Hocker, Koffer, Spiegel, Plattenspieler und über allem hängt, sozusagen als Symbol des

Reichtums, ein Kristalllüster vom Schnürboden herab.

In diesem Milieu setzt Harald Weber ein spannendes Stück um Liebe, Hass und Tod in Szene, wobei es ihm gelingt, den Intentionen von Tennessee Williams gerecht zu werden, indem er die Darsteller zu einem intensiven Spiel und zu einer differenzierten Charakterisierung ihrer Rollen anhält.

Sabine Fürst ist die Margaret, „einer Katze vergleichbar, die den Absprung von einem heißen Blechdach wagen muss“ oder, wie Georg Hensel sagt, „die Katze, die so lange auf dem heißen Blechdach bleibt, bis ihr fast die Pfoten abgeschmort sind“. Diese Katze spielt Sabine Fürst nicht, was möglich wäre, als sexbesessenes Vollblutweib, sondern mehr als im Grund damenhafte, fast vornehme, auf jeden Fall aber unbefriedigte, schlanke, blonde, junge Frau. Patrick Nellessen gibt ihren, durch ein Gipsbein behinderten, dem Alkohol und nicht ihr verfallenen Mann Brick. Als einen die Szene beherrschenden, noch immer kraftvollen Patriarchen zeichnet Hannes Fischer den Big Daddy. Susanne Heydenreich als Big Mama steht ihm zur Seite, verzweifelt angesichts seiner Lage, schreit und rastet aus.

Seiner Rolle gemäß blass bleibt Matthias Lamp als Gooper.

Dagegen geht Monika Wiedemer als seine geldgierige, aufs Erbe bedachte, ihn beherrschende Frau Mae im Grund allen auf die Nerven. Dieter Schnabel