Kultur

Tanz „Project Warrior“ im Felina-Theater Mannheim

Immer wieder aufstehen

Sieben Kreidestücke liegen kreisförmig angeordnet auf dem Tanzboden im Felina-Areal-Theater. Sieben Frauen schreiben einige Worte, ein Statement. Sie tragen seidig glänzende Overalls, gleich geschnitten, aber in sieben Farben. Sie symbolisieren eine Einheit, dennoch aber auch die jeweilige Einzigartigkeit.

Die Einheit ist in Amelia Eisens „Project Warrior“ zunächst jedoch nur äußerlich, denn jede ist eine Einzelkämpferin, die von ihrem Platz verdrängt wird, aber andere auch selbst verdrängt. Bis eine ausschert und ein Gedicht der US-Lyrikerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou (1928-2014) zu rezitieren beginnt.

Sie schrieb „On the Pulse of Morning“ 1993 zu Bill Clintons Amtseinführung, heute ist es ein Aufruf, Gegebenes nicht hinzunehmen, Änderungen mutig anzupacken, die Hoffnung nie aufzugeben. So inspiriert finden die sieben Tänzerinnen nach und nach tatsächlich zu Einheit und Einigkeit. Doch es ist ein überaus schmerzvoller Prozess.

Amelia Eisen, die amerikanische, seit 2017 in Mannheim lebende Choreographin, übersetzt ihn in eine physisch fordernde Körpersprache, in der die tänzerische Ästhetik nicht auf Feinheit und schwebender Leichtigkeit beruht, sondern erdhaft gebunden ist. Nicht Spitze und lange Linien sind Trumpf, sondern unaufhörliche Verwringungen im Gehen, Stehen oder auf dem Boden. Das Hinfallen bestimmt das Geschehen, doch es gibt immer wieder ein Aufbäumen, ein Hochkommen, ein Weitermachen und letztlich auch heilsame Hoffnung.

Lang anhaltender Beifall

Die Musik (The Crommatics, Nils Frahm, Cliff Martinez, Lisa Morgenstern) ist mal stark rhythmisch und pulsierend, dann wieder ein von Stille unterbrochener, sphärisch anmutender Klangteppich. Allerdings erschließt sich „Project Warrior“ nicht leicht, zumal das auf Englisch vorgetragene Gedicht als Basis für die Choreographie wohl für die meisten im Publikum nur bruchstückhaft zu verstehen ist. Doch der Applaus für Eisens Uraufführung sowie die Tänzerinnen Veronika Kornova-Cardizzaro, Julie Pécard, Miriam Markl, Delphina Parenti, Cecilia Ponteprimo, Jillian Rose und Aynur Memioglu war lang anhaltend.

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