Kultur

Würzburger Hafensommer Indie-Rocker Olli Schulz zieht das Publikum auf der ausverkauften Freitreppe in seinen Bann

In ausgelassener „Laberlaune“

Archivartikel

Er ist kein begnadeter Songwriter und Sänger. Und als Moderator gibt es sicherlich auch Kollegen, die das Publikum mehr in ihren Bann ziehen. Aber die Mischung macht’s: Beim Würzburger Hafensommer zieht Olli Schulz die Massen an. Vor ausverkauftem „Haus“ gibt der Indie-Rocker auf der schwimmenden Bühne am Alten Hafen ein umjubeltes Konzert.

Zugegeben, die unter Dreißigjährigen sind eindeutig in der Überzahl. Aber auch die übrigen Zuhörer dürfen an dem lauen Sommerabend ein unterhaltsames Konzert mit jeder Menge Musik und Anekdoten genießen. Und genau deshalb sind die Fans gekommen. Auch weil man Olli Schulz im TV als Moderator zusammen mit Jan Böhmermann kennt und vom Format „Schulz in der Box“ kennt. Und weil er erzählt, von seiner Tochter, die ihn nachts beim Komponieren fragt, warum er solchen Krach macht, vom Rapper Haftbefehl, mit dem er schon tolle Zeiten erlebt hat, von sich als meist ältestem Künstler auf Festivals oder von einer Fahrt in der Moskauer U-Bahn, wo ein Geiger seine Zuhörer zum Weinen bringen kann. Was den Würzburgern aber am besten gefällt, ist sein Rückblick auf Besuche in der Stadt, etwa im Café Kairo, im AKW oder auch in der Posthalle.

Olli Schulz ist in „Laberlaune“ in Würzburg, am Ende einer kleinen Open-air-Tour, bei der er sein neues Album „Scheiß Leben, gut erzählt“ vorstellt. Sein Sprechgesang geht in die Ohren, auch wenn er nicht immer melodiös ist. Der Bass wummert über die Freitreppe, Gitarre und Schlagzeug bieten den perfekten Klangteppich.

Die Stimmung ist prächtig. Mit dem Song „Wachsen“ hat er die Fans sofort überzeugt. „Schmeiß alles rein“, „Junge Frau sucht“ oder „Skatspielen mit den Jungs“ von der neuen Platte kommen an. Seine Texte sind aus dem Leben gegriffen. Und danach singt und schwadroniert sich der 44-Jährige durch die bisherigen Alben, holt mit „Schrecklich schöne Welt“, „Als Musik noch richtig groß war“, „Königskind“ oder „Verhaftet wegen sexy“ bekannte Song zum Mitsingen raus. Die Geschichte zu „Old Dirty Man“ liefert er gleich nach: Es geht ums Älterwerden. Und davor hat der Musiker mit dem schmalen Oberlippenbart und dem leicht schütteren Haar keine Angst.

Die darf auch Bassistin Isabell nicht haben, für die Olli Schulz gleich einen ganzen Geburtstagschor als „Würzburger Fischerchöre“ ins Leben ruft. „Happy Birthday“ von Stevie Wonder klingt im Kanon aus mehr als 1000 Kehlen. Da wird auch der Mann am Mikro rührselig. Dem Publikum gefällt’s. Auch als er mal schnell zwei Singles verkuppeln will. Flugs aufs Einhorn und ab in den Main. Na ja, lange hat das Traumpaar nicht gehalten. Zumindest gibt es kein Bad im Wasser.

Beim Bad in der Menge dagegen ist der Musiker nicht zu stoppen. Der Wahl-Berliner hat Spaß beim Gig auf der schwimmenden Bühne. Das merkt man. Er hopst und quatscht, singt und rappt. Natürlich hat er für seine Fans noch ein paar Zugaben – auch wenn er sich dafür lange bitten lässt. Dann stehen 1000, singen begeistert. Mit dem Song „So muss es beginnen“ geht ein mehr als launiger Musikabend zu Ende. Diana Seufert