Kultur

Palatia Jazz Christoph Titz und Pat Appleton bei „Trostperlen“

In dieser Musik brennt ein Licht

Archivartikel

Natürlich sieht man derzeit allüberall auf den Tannenspitzen programmatische Reflexionen der Gegenwart sitzen: „Waiting For Dawn“ heißt eines der neuen, feinen Stücke von Christoph Titz, das der Trompeten-Künstler zusammen mit seinen gleichfalls formidablen Bühnengefährten Thomy Jordi (E-Bass) und Alfonso Garrido (Percussion) beim Auftritt im Palatia-Jazz-Weihnachtsformat „Trostperlen“ spielt – ein Titel, der also vom „Warten auf die Morgendämmerung“ kündet.

Aber so finster die Zeiten auch sein mögen, das Titz-Trio verströmt bei dem Online-Konzert ungebrochene musikalische Lebenskraft: Mit bestechend eleganter Trompeten- und Flügelhorn-Grandezza, mit unerhört prägnantem, melodiesinnigem Bass und raffiniert versatilem Schlagwerk kreieren die Drei ein groove-starkes, hochenergetisches Jazz-Amalgam, das sich in Stücken wie „L’entrée“, „Ebomania“ oder dem „Sedal Shuffle“ Bahn bricht, die ebenso wie das kontemplativere „Waiting For Dawn“ von Titz’ jüngstem Album „Frobeat“ stammen.

Daran hatte ein Gast mitgewirkt, der nun auch zur Aufnahme im Maxdorfer Carl-Bosch-Saal mit auf die Bühne tritt: die fabelhafte Jazzsängerin und langjährige De-Phazz-Vokalistin Pat Appleton, die hier Stücken wie „Foreign Space“, „Home“ und „Promener“ mondän-verspielten Soul-Glanz verleiht und daneben mit ihren Solo-Stücken „A Dangerous Thing“ und „Herbertine“ reüssiert.

Atmosphärisch dicht

Einen Höhepunkt beim letzten der drei „Trostperlen“-Doppelkonzerte mit ihrem Trompeten-Schwerpunkt (dessen Stream von der Markus Stockhausen Group eröffnet wird) bilden zwei Stücke aus Titz’ „Father & Son“-Reihe, in denen sich der Trompeter in atmosphärisch dicht gewobenen Klangarchitekturen und suggestiven Videocollagen mit Bildern seines verstorbenen Vaters, seines Zeichens Grafiker und Künstler, auseinandersetzt. In der Musik, denkt man da bei sich, brennt auch in dunklen Zeiten immer ein Licht.

Zum Thema