Kultur

Musical „Jesus Christ Superstar in concert“ mit dem Hauptdarsteller Alexander Klaws im ausverkauften Capitol Mannheim

In Leid und Leidenschaft entbrannt

Archivartikel

Wenn Zuneigung verraten wird, dann birgt dieser Prozess nicht nur kritisches Konflikt-, sondern auch großes künstlerisches Potential. So zählen die musikalischen Auseinandersetzungen zwischen Jesus und Judas zu den intensivsten Momenten von „Jesus Christ Superstar in concert“ im Mannheimer Capitol.

Glühender Disput mit Judas

Wenn der Mann aus Nazareth im Song „Strange Thing, Mystifying“ etwa mit auffahrender Vehemenz Maria Magdalena gegen die Anfeindungen seines Jüngers verteidigt; oder wenn beim gemeinsamen Abendmahl („The Last Supper“), als der dräuende Verrat und das nahende Ende am Kreuz bereits quälende Gewissheit geworden sind, ein letzter, glühender Disput zwischen beiden entbrennt.

Mit Sänger Alexander Klaws in der Titelrolle und Sascha Krebs als Judas treffen in der Produktion des Capitol zwei ausnehmend starke Bühnencharaktere und Stimmen aufeinander. Für den rock-erfahrenen Vokalisten Sascha Krebs ist der Judas schlichtweg eine Paraderolle, die er mit rebellisch-fiebrigen Furor singt und spielt. An zwei jeweils ausverkauften Abenden wird die Rockoper von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice im Capitol präsentiert. Es ist eine packende Produktion, bei der sich das Haus-Ensemble und seine Gäste hervorragend ergänzen: Unter der musikalischen Leitung von Joe Völker (auch: Keyboard) spielen neun exzellente Instrumentalisten in der Band, dazu kommt der Feudenheimer Chor Rainbow Gospel & Soul Connection, der mit Farbenreichtum zwischen Gospel-Wallungen und sanften Tönen agiert.

Am Mikrofon glänzen als Jesus-Gefährten Femke Soetenga (Maria), Sascha Kleinophorst (Simon Zelotes), Daniel Würfel (Petrus) sowie Jeannette Friedrich, Melanie Haag und Irena Müller. Als Antagonisten reüssieren Darius Merstein (Pilatus), Tom Tucker (Kaiphas), Michael Bergmann (Annas) und Chris Becker (Herodes). Die mit stürmischem Schlussapplaus bedachte konzertante Aufführung unter dramaturgischer Leitung von Georg Veit findet ihren Passions-Gipfelpunkt in „Gethsemane (I Only Want To Say“, das Klaws von flehentlich-balladesker Verzweiflung in eine flammende Rock-Elegie führt: bemerkenswert!