Kultur

Geburtstag Gebürtige Mannheimerin Becker wird 70

Innovative und gefragte Cartoonistin

Archivartikel

Ein dicker Foliant mit Karikaturen von Wilhelm Busch ist für die junge Franziska Becker die Bibel. Der „Urvater des modernen Comic“ weckt ihre lebenslange Leidenschaft für bissige Kommentierungen mit Feder und Tusche. Mit Busch verbindet die in Mannheim geborene Cartoonistin der Blick für das Abstruse, das unfreiwillig Komische im Alltag, insbesondere im Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Beckers Markenzeichen sind Figuren mit Knollennasen und großen Füßen, die sich in Sprechblasen austauschen. Eine der wenigen Frauen in einer Männerdomäne feiert am 10. Juli ihren 70. Geburtstag.

Die politische Künstlerin erhielt zahlreiche Preise, unter anderem als erste Frau 2013 den nach ihrem Vorbild benannten Wilhelm Busch Preis. Quasi als Geburtstagsgeschenk hat die Comic-Zeichnerin jüngst die Hedwig-Dohm-Urkunde des Journalistinnenbundes für ihr „spitzfedriges und scharfzüngiges“ Lebenswerk bekommen.

Doch die Freude wird ihr vergällt durch jüngste Anfeindungen einer deutsch-türkischen Bloggerin, die ihr Rassismus und Islamfeindlichkeit unterstellt; insbesondere ihre Kopftuch-Comics diskriminierten muslimische Frauen.

Alice Schwarzer unterstützt sie

Der Vorwurf sei empörend, sagt „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer. Bei den Zeichnungen der Hauscartoonistin des feministischen Frauenmagazins gehe es um politische Radikalisierung und den Missbrauch des Islam, nicht um den Glauben selbst. Die gebürtige Mannheimerin trifft Alice Schwarzer 1975 zum ersten Mal. Alice Schwarzer besucht in Heidelberg Frauenzentren. Ein Jahr später gründet sie die „Emma“ und sucht via Frauenzentren nach kreativen Köpfen. Becker bewirbt sich und erhält den Zuschlag. Schwarzer schätzt an ihr „die Qualität – des Strichs wie der Haltung“. Von da an zieren zweiseitige Bildgeschichten das Magazin. Neben „Emma“ gehören „Titanic“, „Stern“ oder „Psychologie heute“ zu Beckers Kunden.