Kultur

Kreuzgangspiele Intendant Johannes Kaetzler inszeniert „Faust“ in Feuchtwangen

Intension von Goethes Drama gerecht geworden

1949 begann die Geschichte der Kreuzgangspiele Feuchtwangen mit „Faust. Gretchentragödie“, inszeniert vom damaligen Intendanten Otto Kindler. 1996 stand diese Sicht auf Goethes zweiteiliges Drama wieder auf dem Programm. Zwischendurch gab es 1958 und 1959 „Faust - 1. Teil“ und 1971 und 1985 „Urfaust“. Zum Jubiläum „70 Jahre Kreuzgangspiele“ setzt jetzt Intendant Johannes Kaetzler „Faust“ auf den Spielplan.

Zu Beginn der rund zweieinviertelstündigen Aufführung tritt Johann Wolfgang von Goethe auf. Am Schreibtisch sitzend, beginnt er mit der „Zueignung“: „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten.“ Dazu stellt sich das gesamte Ensemble vor. Danach folgen das „Vorspiel auf dem Theater“ und der „Prolog im Himmel“ – alles stark gekürzt und auf das Wesentliche konzentriert. Das gilt im Übrigen auch für die folgenden Szenen des ersten Teils der „Faust“-Tragödie, die alle gezeigt werden.

Das Ganze endet nicht mit der Divergenz der Aussagen von Mephistopheles. „Sie ist gerichtet!“ und der Stimme von oben „Ist gerettet!“. Und auch nicht mit dem Ruf: „Heinrich! Heinrich!“, Worte, die alle im Bezug zur Gretchen-Tragödie stehen, sondern mit dem Satz des Titelhelden, den er am Ende der ersten Szene des ersten Akts von „Der Tragödie zweiter Teil“ in einer „anmutigen Gegend“ spricht: „Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.“ Und das ist zugleich das Fazit der „Faust“-Inszenierung von Johannes Kaetzler bei den aktuellen Kreuzgangspielen in Feuchtwangen.

Kreuzgang einbezogen

Geschickt nutzt der Bühnen- und Kostümbildner Werner Brenner die vorhandene Architektur des steinernen romanischen Kreuzgang-Torsos, in die er mit Holzaufbauten die Szenerie integriert. Da gibt es zwei, jeweils nach oben führende Treppen, große matte, durchsichtige Spiegel, Stühle und Tische, eine Liege und eine Truhe, eine Phiole und einen Totenschädel, kurzum alles, was man an Mobiliar und Requisiten benötigt, das von vornherein vorhanden ist und lediglich nach Bedarf umgestellt wird.

Die Schauspieler sind teils zeitlos stilisiert, in bodenlange Gewänder, teils wie im Alltag in unseren Tagen gekleidet. Mit Ausnahme der Darsteller von Faust und Mephistopheles spielen alle mehrere Rollen.

Für die sparsam das Geschehen illustrierende Musik zeichnet Michael Reffi verantwortlich, für die gekonnt einstudierten Kämpfe Alexander Ourth und für die gelungen Pyroeffekte Daniel Asofiei. Dem Regisseur Johannes Kaetzler gelingt es, trefflich unterstützt von der Dramaturgin Maria Wüstenhagen, mit seiner „Fassung für die Kreuzgangspiele“, nicht nur den Intentionen Goethes gerecht zu werden, sondern auch die Mitwirkenden zu einer eindrucksvollen Charakterisierung ihrer Rollen anzuhalten und sie dazu passend auf den Brettern von Goethes Bühnenwelt zu führen, die zuweilen auch in den Zuschauerraum ausgedehnt wird.

Den Titelhelden spielt Thomas Hupfer als glatzköpfigen Faust, zunächst in einem bodenlangen, schwarzen Mantel und weißen Hemd, nach der Verjüngung in Alltagskleidung, in grauem Anzug und rotem Hemd. Er ist im Grund ein Biedermann auf der Suche nach Glück und Erfüllung seines Traums. Nicht nur in der äußeren Erscheinung, ganz in Schwarz, mit strähnigen Haaren, Oberlippen- und Kinnbärtchen, verkörpert Rudolf Krause als Mephistopheles stets das böse Element.

Kein Wunder, dass Julia Suzanne Buschmann als Margarete, die den Wandel vom „gar unschuldig Ding“ über die Liebende und Geliebte bis zur verzweifelten Irren glaubhaft transparent macht, „vor dem Mensch ein heimlich Grauen“ hat. Dessen ungeachtet macht ihm Gabriele Fischer als Frau Marthe Schwerdtlein Avancen und probiert ihre Verführungskünste an ihm aus.

Ulrich Westermann ist der Theaterdichter. Als Herr und Gegenspieler von Mephistopheles, als Hexe und Alter in der Walpurgisnacht profiliert sich Peter Heeg, ebenso wie Wolfgang Beigel als Satan, als Erzengel Raphael und als Erdgeist. Beide legen Zeugnis von der Breite ihrer schauspielerischen Möglichkeiten ab.

Thomas Zieler ist der wissbegierige Wagner, Mario Schnitzler der etwas naive Schüler, Sina Schulz das schadenfreudige Lieschen, Lennart Matthiesen der forsche Valentin, Doris Otto der böse Haist und Alexander Ourth der Direktor in dieser sehens- und hörenswerten Theateraufführung. Dieter Schnabel