Kultur

Würzburger Mozartfest

Intim und konzertant

Archivartikel

Die Ouvertüre zur Oper „L’isola disabitata“ („Die unbewohnte Insel“) von Joseph Haydn regte am Beginn des Abends mit dem Münchner Kammerorchester als Aperitif zu einem entspannten Konzert im Kaisersaal der Würzburger Residenz an. Es schlossen sich das Klavierkonzert Nr.14 B-Dur KV 450 und nach der Pause das Klavierkonzert Nr. 17 G-Dur KV 453 von Wolfgang Amadeus Mozart an.

Der französische Pianist Pierre-Laurent Aimard hatte beide Konzerte sicher im Griff, bevorzugte mehr eine männliche Note als liebkosende Verschnörkelungen, wiewohl er in den langsamen Sätzen tiefsinnig fein und anmutig die melodischen Bögen auszugestalten vermochte. Die Münchner enthielten sich mit ihrem lebhaft präzisen Spiel jeglicher Rokoko-Vergnüglichkeit. Die Ausdrucksmöglichkeiten der Musik wurden reichlich ausgewertet, vom intimen Einfühlungsvermögen bis hin zu konzertantem Ehrgeiz voller Witz, Lebensfreude und Poesie.

Dirigent Clemens Schuldt und Pianist Aimard beflügelten sich gegenseitig und musizierten zusammen wunderbar spontan. Das gesamte Konzertieren gelang vorzüglich, zumal die Partner mit einem gesunden Selbstbewusstsein agierten und sich munter in die Solokonzerte verlegt hatten. Die vielschichtige Interpretation gewann enorm an Spannung. Aimard erwies sich zudem als dialogisch versierter Solist, der neben seinem pianistischen Können ein durchdachtes Spiel in den Vordergrund stellte. Seine Mozart-Deutungen waren bewegungsfreudig, sprühend und intelligent und erfrischend authentisch. Als Intermezzo spielte das Orchester die „Elongation of Nights“ der litauischen Komponistin Justé Janulyté mit ruhelos dahinschwirrenden Streichern. Die Partitur wendet sich an die titelgebenden länger werdenden Nächte. Das Stück ist vordergründig ein einheitliches Stimmungsbild und keine Komposition mit Konturen, nimmt ständig an Lautstärke zu und flaut dann wieder ruhig in sich gekehrt ab. Lebhafter Beifall für Mozart.

Dr. Klaus Linsenmeyer