Kultur

Morrissey I’m Not A Dog On A Chain

Irritation verstärkt

Seine musikalischen Verdienste vor allem als Frontmann der Britpop-Ikonen The Smiths sind unbestritten. Aber selbst hartgesottenste Morrissey-Fans tun sich inzwischen mit den politischen Ansichten ihres über Jahrzehnte abgöttisch verehrten Idols schwer. Kein Wunder: Dass der 60-Jährige die Entscheidung für den Brexit feiert und offen Anne Marie Waters’ antiislamische Rechtsausleger-Partei For Britain unterstützt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Entsprechendes Geraune findet sich auch in den wie immer beißend ironischen Texten seines 13. Soloalbums „I’m Not A Dog On A Chain“ (Ich bin kein Hund an der Kette), in denen sich Morrissey als pressefeindlicher Freigeist inszeniert, der als so ziemlich Einziger den Durchblick hat und sich nur noch vom eigenen Neffen wohlgefällig interviewen lässt. Das geht als Popstargestus normalerweise durch, aber durch die Vorgeschichten schmälert es den Hörgenuss der gewohnt grandiosen Gesangsmelodien. Und verstärkt die Irritation des oft überdrehten Retro-Electro-Sounds, der stärker nach den 80ern klingt, als es The Smiths in den 1980ern jemals taten.

I’m Not A Dog On A Chain (Warner)

Zum Thema