Kultur

Nachruf Zum Tod der weilweit gefeierten spanischen Sopranistin Montserrat Caballé, die im Alter von 85 Jahren gestorben ist

Jahrhundertstimme verstummt

Sie war eine der meist gefeierten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts: In ihrer Heimatstadt Barcelona ist sie in den frühen Morgenstunden des 6. Oktober gestorben – Maria de Montserrat Viviana Concepción Caballé. Sie, in deren letzten Lebensjahrzehnten von einer Unzahl schwerer Erkrankungen mehr die Rede war als von ihren künstlerischen Auftritten, wurde immerhin 85 Jahre alt.

Ihre Vita, knapp umrissen: Geboren am 12. April 1933 in Barcelona, ausgebildet ebenda und in Mailand, Debüt 1956 in Basel, danach Engagements in Saarbrücken und Bremen. 1965 Start der Weltkarriere in New York: Sie tritt in der Carnegie Hall und der Metropolitan Opera auf. Ein Vierteljahrhundert lang galt Montserrat Caballé, vor allem im Belcanto-Fach (Rossini, Bellini, Donizetti), aber auch in den großen Verdi- und Puccini-Rollen, als Primadonna assoluta.

Zu jener Zeit wurde das erlesene Timbre ihres lyrischen Soprans und vor allem ihr substanzreiches Piano in aller Welt gepriesen. Zwei Mal war Monserrat Caballé auch bei den traditionsreichen Festlichen Opernabenden am Mannheimer Nationaltheater zu Gast. An der Seite des von ihr entdeckten und geförderten Tenors José Carreras sang sie eine grandiose Tosca. An ihren zweiten Auftritt als Aida unter Hans Wallat in den siebziger Jahren werden sich gewiss noch einige Opernfreunde erinnern. Der labile Kreislauf der Diva war dem Mannheimer Klima nicht gewachsen, so dass sie mitten in der Nilszene der Oper ohnmächtig zu Boden sank und erst nach einer längeren Erholungspause weitersingen konnte.

Langjährige Gerichtsverhandlung

In den neunziger Jahren begann die bisweilen recht traurige Zeit, als der Boulevard mehr Notiz von der Sängerin nahm als das Feuilleton. Ein naher Verwandter hatte nahezu ihr gesamtes Vermögen veruntreut und brachte sie, die ihm vertraut hatte, vor den Kadi. Die langjährigen Gerichtsverhandlungen wegen Steuerhinterziehung, die in einer sechsstelligen Geldstrafe und sogar in einer zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafe gipfelten, führten dazu, dass die einstmals so gefeierte Diva, ungeachtet ihrer angeschlagenen Gesundheit, fast bis zum letzten Atemzug auf der Bühne stehen musste. Es waren dies leider nicht mehr die Bühnen der Welt, sondern oft genug auch Mehrzweckhallen in der Provinz, oft gemeinsam mit ihrer Tochter Montserrat Martí, die allmählich aus dem gewaltigen Schatten ihrer Mutter heraustrat. Wir erinnern uns an ein Freiluft-Konzert vor dem Speyerer Dom nach einem eiskalten Hagelsturm, an einen Auftritt in Neustadt an der Weinstraße mit den Pfälzer Weinkehlchen und an ein Weihnachtskonzert im Mannheimer Rosengarten, bei dem auch der Feudenheimer „Swing-Chor Good News“ und die Ilvesheimer „Happy Singers“ mitwirkten. La Caballé, das ist ihr hoch anzurechnen, war stets perfekt gestylt und bester Laune. Es kam Montserrat Caballé dabei durchaus zugute, dass sie schon 1992 über Genregrenzen geblickt und ein sensationelles Crossover gewagt hatte, den Song „Barcelona“ gemeinsam mit dem Rockstar Freddy Mercury anlässlich der Olympischen Spiele in ihrer Heimatstadt. Ähnlich erfolgreich war 1997 ihr Album „Friends For Life“, unter anderem mit Johnny Logan und Helmut Lotti.

Den letzten seriösen Auftritt ihres langen Sängerlebens hatte Montserrat Caballé 2007, als sie in einer Koproduktion der Wiener Staatsoper mit der Royal Opera Covent Garden und der New Yorker Met die urkomische Charakterrolle der Duchesse de Crakentorp in Donizettis Oper „La fille du régiment“ (Die Regimentstochter) sang. Nun möge sie in Frieden ruhen.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/kultur

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