Kultur

Heidelberger Schlossfestspiele Enrique Ugarte dirigiert das ausverkaufte „La Fiesta“-Konzert mit Sängerin Brenda Boykin und Philharmonischem Orchester

Jazz und Tango samt swingender Leidenschaft

Archivartikel

Die beiden eint weit mehr als der Umstand, im selben Jahr – 1959 – geboren zu sein und die Bundesrepublik als ihre Wahlheimat erkoren zu haben. Da wären etwa die charismatische Bühnenpräsenz und ein gewinnender Sinn für Humor als zusätzliche Bindeglieder zu nennen; vor allem aber ist es die spürbare Leidenschaft für ihre Musik, der sie mit hervorragenden künstlerischen Mitteln Ausdruck und damit zugleich diesem Abend auf dem Heidelberger Schloss Glanz verleihen: Er, Enrique Ugarte, der Dirigent, Akkordeonist, Komponist und Arrangeur aus dem spanischen Baskenland, Stammgast in den großen Konzertsälen Europas und bekannt für seine Zusammenarbeit mit prominenten Solisten wie Mike Oldfield, Chick Corea oder Giora Feidman. Und sie, Brenda Boykin, die Jazz-und Blues-Sängerin aus dem US-amerikanischen Oakland, Gewinnerin des „Montreux under the Sky“-Wettbewerbs beim 39. Montreux Jazz Festival und ebenso erfahrene Konzert-Weltreisende.

Reich an Zwischentönen

„La Fiesta – ein Fest aus Swing, Tango und Jazz!“ lautet der beredte Titel des Programmformats, das Ugarte im mit 1000 Zuschauern ausverkauften Schlosshof präsentiert – beim dritten und zugleich letzten Schlosskonzert der diesjährigen Heidelberger Schlossfestspiele.

Dabei kann der Dirigent und Instrumentalist nicht nur auf die stimmliche Strahlkraft Boykins und das zwischen den programmatischen Polen so feinfühlig und reich an Zwischentönen wie hochdynamisch oszillierende Philharmonische Orchester Heidelberg zählen; mit Alexandra Lehmler am Saxophon, Apollonio Maiello am E-Piano, Arthur Balogh am Kontrabass und Daniel Mudrack am Schlagwerk steht ihm zudem ein exquisit besetztes, gleichermaßen groove- wie improvisationsstarkes Jazz-Ensemble zur Seite. Mit Grandezza, expressiver Lässigkeit und zeitlos klassischem Soul-Schmelz in ihre Stimme besticht Brenda Boykin bei einem George-Gershwin-Medley, bei dem sie „They Can’t Take It Away from Me“ und „Somebody Loves Me“ mit zutiefst klang- und ausdrucksvollem Leben erfüllt. Im zweiten Konzertteil erfährt diese Gershwin-Hommage mit „Someone To Watch Over Me“ seine kongeniale Fortsetzung.

Dem Swing tragen die Musiker zuvor bereits mit Cole Porters „Night and Day“ und Glenn Millers „A String of Pearls“ kompetent Rechnung, bevor Ugarte beim „Libertango“ aus der Feder von Astor Piazzolla selbst zum Akkordeon greift und einen ersten Höhepunkt des Abends einläutet – charaktervoll, sehnsüchtig und voller Verve. Einen weiteren Glanzpunkt setzt Ugartes eigene, mit einer baskischen Volksweise verwobene Komposition, der „Ume-Eder-Jazz“, in dem uns das virtuose Zwiegespräch zwischen Lehmlers Tenorsaxophon und dem Akkordeon des Dirigenten in Begeisterung versetzt. Mit Chick Coreas in wirbelnde Big-Band-Orchestertöne gesetzten Stücken „Spain“ und „La Fiesta“ – das nach langem Applaus in eine Zugabe-Runde geht – endet dieser wunderbare Konzertabend.