Kultur

Selig Niedeckens BAP, Madsen, Philipp Poisel, Johannes Oerding, Olli Schulz und Co. huldigen der Hamburger Rock-Band

Je eigenständiger, desto besser

Archivartikel

Eigentlich machen Selig traditionelle Rockmusik im Geist der 1960er Jahre. Trotzdem galten die Hamburger Mitte der 90er als deutsche Antwort auf Grunge. Dass ihre Musik dauerhaft besteht, beweist das Hommagealbum „Selig macht: Selig“. Darauf interpretieren mehr oder weniger prominente Kollegen die zentralen Songs der Band neu, mitunter im Duett mit dem unverkennbaren Selig-Frontmann Jan Plewka. Dabei gilt wie immer bei Coverversionen: je eigenständiger desto besser.

Deshalb funktioniert der erste Song „Wenn ich wollte“ wunderbar, so lange Sänger Sebastian Madsen die Emphase in der Strophe fast auf Null stellt. Sobald seine Indie-Rock-Band Madsen den Refrain geradeaus wie vom Blatt spielt, wird’s langweilig – und er fällt im Vergleich zu Plewka massiv ab. Das macht die von Madsen produzierte Sängerin Lisa Who mit einer gut gekühlten Fassung von „Ist es wichtig“ wesentlich besser. Dass Wolfgang Niedeckens wie immer auf Kölsch gesungener Ansatz bei „Glaub mir“ unverkennbar ist, versteht sich von selbst.

Deutschpop-Balladenschmied Philipp Poisel ragt bei der deutschen Jahrhundertballade „Ohne Dich“ heraus, weil er seinen Hang zum emotionalen Overkill hier exzellent dosiert. Seligs Hamburger Landsmann Olli Schulz zeigt bei „Die Besten“, was für ein kongenialer Duett-Partner er ist – aber auch, warum sein Hang zu mittelwitziger Geschwätzigkeit der großen Musikkarriere im Weg steht. Etwas origineller sind der Beitrag der 17 Hippies („Regenbogenleicht“), „High“ von Das Pack oder der „Sie hat geschrien“-Electro-Remix von Milliarden.

Ab Pohlmanns „Bruderlos“ wird es solide. Deutschpop-Star Johannes Oerding hätte in „Sie zieht aus“ besser mehr von seiner Live-Energie investiert – das ist im Selig-Kontext viel zu glatt produziert. Letztlich gilt Jan Plewkas Fazit des Liebhaber-Projekts: „Für uns ist diese Compilation ein wahnsinniger Liebesbeweis. Es ist herrlich zu sehen, dass diese Lieder, die wir über all die Jahre geschrieben haben, da draußen existieren.“ Darüber können Selig zu Recht selig sein. (Ferryhouse)

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