Kultur

Geburtstag Jazz- und Funk-Saxofonist Maceo Parker wird heute 75 Jahre alt / Der frühere Mitmusiker von James Brown bringt noch immer sein Publikum zum Tanzen

Jeder Ton ein brennend heißes Lebenszeichen

Seine Musik kann man nicht nur mit den Ohren erfahren: Wenn Maceo Parker Saxofon spielt, dann zielt das auch auf Hüfte und Beine. Kleine Clubs wie große Hallen hat der schwarze US-Amerikaner mit seiner schweißtreibenden Fusion aus Funk, Soul, Blues und Jazz in tobende Tanztempel verwandelt. Heute feiert der Publikumsliebling seinen 75. Geburtstag.

Parkers Karriere als Solist begann erst spät, dafür aber umso fulminanter. 1990, da war er schon 47 Jahre alt, veröffentlichte die deutsche Plattenfirma Minor Music das Album „Roots Revisited“, das den Saxofonisten schlagartig bekannt und zum umjubelten Konzertstar machte. Zu einer Zeit, in der die zusehends intellektueller werdende Jazzszene zu unterkühlen drohte, verpasste Parker ihr mit seiner heißblütigen Musik eine wirksame Kur, die sich aus den brodelnden Quellen afroamerikanischer Kultur speiste.

Klänge voller Herzenswärme

Sein Spiel ist einfach, erdig und direkt. Und erfüllt von jener Herzlichkeit, wie sie schwarzer Musik von jeher zu Eigen ist – Klänge, an denen man sich wärmen kann, wenn’s einem schlecht geht. Statt komplexer Schachtelsätze deklamiert Parker auf seinem Horn leicht verständliche Parolen – ganz in der Tradition des Rhythm ’n’ Blues der 1940er und 50er Jahre, als Saxofonisten mit schreiender Intensität für Stimmung sorgten. Das effektvolle Spiel mit gestochen scharfen Riffs, schroffen Stakkato-Sequenzen, schrillen Registerwechseln und zerrenden Tonverschleifungen – all dies beherrscht Maceo Parker meisterhaft.

Gelernt und perfektioniert hat er diesen Stil beim „Gottvater des Soul“: Von 1964 bis 1970 spielte er in der Band von James Brown, mit dem er Hits wie „Papa’s Got A Brand New Bag“und „I Feel Good“ aufnahm. Danach war der Saxofonist bei dem nicht minder einflussreichen George Clinton engagiert, der mit repetitiven Rhythmen und knallenden Bassattacken die Soulmusik in den perkussiv geprägten Funk fortentwickelte. Auch während seiner Solokarriere mischte Parker immer wieder in der Popszene mit. Dabei war seine musikalische Palette weit gespannt: von Prince über die Indie-Sängerin Ani DiFranco bis hin zu den Hip-Hoppern De La Soul und der Metalband Living Colour.

In der Rhein-Neckar-Region war Parker immer wieder zu Gast: zuletzt 2015 im Heidelberger Karlstorbahnhof, 2014 bei Jazz and Joy in Worms, davor bei Palatia Jazz und vielen anderen Gelegenheiten. Und jedes Mal brachte er das Publikum zum Toben – getreu seinem Motto: „Shake Everything You’ve Got“ (Schüttle alles, was du hast). Musik muss eben nicht immer das Gehirn ansprechen.