Kultur

Würth-Preis der JMD verliehen Das ausgezeichnete „STEGREIF.orchester“ bot einen begeisternden Musikabend

Jenseits klassischer Denkmuster

Archivartikel

„Sie habend keinen Dirigenten, sie spielen ohne Noten und sie tragen weder Schuhe noch Socken, aber sie machen begeisternde Musik, erreichen damit die Nähe und die Seelen der Menschen und wir haben etwas Besonderes erlebt“. Mit dieser Gesamtbetrachtung brachte Unternehmer Reinhold Würth zum Ausdruck, was auch das Publikum am Ende eines mitreisenden Konzertabends im Carmen Würth Forum, anlässlich der 28. Verleihung des Würth-Preises der Jeunesses Musicales Deutschland, an das „STEGREIF.orchester“, empfand.

In dem 26-köpfigen Ensemble spielen alle für alle, mit großer Hingabe und Kreativität. Der ureigensten Ausdrucksform musikalischer Spielfreude und Selbstverwirklichung, der Improvisation, sind keine Grenzen gesetzt. Eine Überraschung folgt der nächsten. „Egal ob freebrahms oder freeschubert, die Zuhörer erleben einen musikalischen Hochseilakt, der von großem Fleiß und noch mehr Lust am Musizieren gekennzeichnet ist“, wie es der Berliner Konzertgestalter Folkert Uhde in seiner sehr persönlich gehaltenen Laudatio treffend umschrieb.

Ausgezeichnet wurde das „STEGREIF.orchster“ auch als „die im Augenblick bemerkenswerteste innovative Initiative auf deutschen Konzertpodien: ein Gemeinschaftswerk junger, selbstbestimmter, engagierter und kreativer Musiker, die auf ihre Weise den Menschen im Mittelpunkt aller Musik finden und uns dabei einschließen“, wie es in der Begründung der Jury heißt.

Überreicht wurde die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung durch Professor Dr. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrates der Würth-Gruppe und JMD-Präsident Johannes Freyer. Bei der Preisverleihung am Sonntagabend, würdigte Freyer die Mitglieder des „STEGREIF.orchesters“ und dessen Initiator und Begründer Juri de Marco als „starke, selbstbewusste und ihre Visionen verfolgende Musikerpersönlichkeiten, die experimentelle Wege gehen und uns die Musik auf ihre Weise neu erschließen.“

Das „STEGREIF.orchester“ feiert seit 2015 rasante Erfolge mit einer vollkommen neuen Form der Klassik-Music-Performance: Ausgehend von großen Werken des sinfonischen Repertoires entwickelt das „improvising symphony orchestra“ genreübergreifende Programme, die von Techno bis Jazz oder Weltmusik reichen. Dieser sehr freie künstlerische Zugang befreit Musiker und Musikerrinnen, Komponisten und Publikum gleichermaßen: aus Hörgewohnheiten, Denkmustern, ebenso wie aus Applausregeln, Kleiderordnungen oder emotionalen Konventionen.

„Auch den Dirigenten hat man abgeschafft“, so der Laudator Folkert Uhde. Auch am Abend der Preisverleihung wurde das Orchester für sein neuestes Programm unter dem Titel „freebrahms“ enthusiastisch gefeiert und bejubelt. Das „STEGREIF.orchester“ bezeichnet sich selbst als „Pool von 30 genreübergreifenden Musikern“, die das Erbe klassischer Komposition ebenso schätzen wie die freie Improvisation. Die Musiker betrachten klassische Sinfonien als Ausgangspunkt für ein neues Klangerlebnis. Mit choreographischen Elementen wechselt diese dirigenten- und notenblattfreie Konzertform zwischen Rekomposition und Improvisation. Begründer und Künstlerischer Leiter ist Juri de Marco. Der Würth Preis der Jeunesses Musicales Deutschland ist seit 1991 eine der exklusiven Auszeichnungen in der deutschen Musiklandschaft.

Er wird an Künstler, Ensembles oder Projekte verliehen, die Werte und Zielsetzungen der JMD vorbildhaft verwirklichen. Ihn erhielten Persönlichkeiten wie die Dirigenten Claudio Abado und Gustavo Dudamel, der Percussionist Martin Grubinger oder die Geigerin Sol Gabetta, Ensembles wie das Bundesjugendorchester und Projekte wie das Education-Programm der Berliner Philharmoniker oder das Nicaraguaprojekt von Dietmar Schönherr „Casa des los tres Mundos“.