Kultur

Staatsoper Stuttgart Oberbürgermeister und „Aufbruch Stuttgart“ bewerten Sanierungskosten, die mit mehr als einer Milliarde Euro veranschlagt wurden

Jubel trifft Kritik an „unanständig hohen Kosten“

Nach vielen Jahren liegen die Karten endlich auf dem Tisch. Die dringend nötige Sanierung der Stuttgarter Oper könnte mehr als eine Milliarde Euro kosten und länger dauern als zunächst angenommen (wir berichteten). Die Zahlen dürften in den kommenden Monaten für einige Debatten sorgen. Am Dienstagabend, nachdem Stadt und Land dem Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater dargelegt hatten, wie sie sich die Gestaltung des größten Dreispartenhauses der Welt vorstellen, meldeten sich Verantwortliche zu Wort.

„Wir wollen, dass der Zug zur Sanierung Fahrt aufnimmt. Die Zeit ist reif dafür, sich festzulegen“, sagte die Vorsitzende des Verwaltungsrates, Kunstministerin Theresia Bauer, am Dienstagabend nach der Sitzung. Die Grünen-Politikerin sprach von einem „Jahrhundertprojekt“.

Als Standort für den Interimsbau schlagen Bauer und ihr Stellvertreter an der Spitze des Verwaltungsrats, Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne), ein Areal am Kulturzentrum Wagenhallen vor. Auf dem ehemaligen Gleisvorfeld des Kopfbahnhofs, etwa vier Kilometer vom jetzigen Staatstheater entfernt, soll später einmal das Kreativzentrum „Maker-City“ entstehen.

Den Bau von zwei der Gebäude dieses Zentrums auf stadteigenem Gelände will Kuhn zeitlich vorziehen – zu Kosten von 84,1 Millionen Euro aus dem Haushalt der Kommune. Dort könnten Werkstätten und die Verwaltung untergebracht und die Räume später dann anders weiter genutzt werden.

Kuhn: „Eine ziemlich gute Lösung“

Ein Gutachten im Auftrag der Staatstheater hatte 2014 für die Sanierung und Erweiterung der Staatsoper fünf bis sieben Jahre veranschlagt. Für Planung und Bau der Zwischenspielstätte sind jeweils zwei Jahre vorgesehen. Werden die jüngsten Vorschläge beschlossen, dürfte sich das Projekt einige Jahre länger hinziehen als geplant: Bislang sollte die Sanierung nicht vor 2024 beginnen und mindestens bis 2030 dauern. Kuhn geht nun von einem Baubeginn nicht vor 2025 aus.

Kuhn sprach nun von einer „ziemlich guten Lösung“, für die es sich lohne zu streiten. Der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, nannte die Pläne sogar so: einen „Durchbruch der Klarheit“.

Angesichts der kalkulierten Kosten forderte die Bürgerinitiative „Aufbruch Stuttgart“ eine Bürgerbefragung. „Das sind unanständig hohe Kosten“, sagte der frühere TV-Moderator Wieland Backes („Nachtcafé“) als Sprecher der Initiative am Dienstagabend der dpa. Nach seiner Einschätzung verlief die bisherige Planung undemokratisch. Die Bürgerinitiative hatte vehement den Bau einer weiteren Spielstätte und eine weniger umfangreiche Sanierung gefordert.

Auch der Bund der Steuerzahler forderte, bei der Sanierung auf die Kosten zu achten. Beispiele in Köln und Berlin zeigten seiner Meinung nach, dass Sanierungen von Opernhäusern leicht zu einem Fass ohne Boden werden könnten. 

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