Kultur

Weltkulturerbe Mitglieder der deutschen Unesco-Kommission diskutieren in der Kunsthalle Mannheim

Junge Menschen bringen ihre Ideen ein

Archivartikel

Digitalisierung, Globalisierung, Klimawandel – die Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Welche Auswirkungen hat das auf unser kulturelles Erbe? Damit hat sich die deutsche Unesco-Kommission (DUK) in der Kunsthalle Mannheim am Donnerstag befasst. Unter dem Titel „FairErben“ haben die Mitglieder der Unesco – insbesondere junge Menschen – diskutiert, was Menschheitserbe ist.

25 junge Leute hatten sich im Rahmen der Initiative „Junge Ideen für die DUK“ seit Anfang 2019 darüber Gedanken gemacht. „Wir wollen neue Formate erproben“, sagt Maria Böhmer, Präsidentin der DUK. Denn „es ist ein gemeinsames Erbe.“ Die einzige Vorgabe für die jungen Leute war dabei das Stichwort „Erbe“.

In Mannheim können die Mitglieder der Kommission den jungen Leuten Fragen stellen und Rückmeldungen geben. Stefan Berg, Markus Hilgert, Stefan Winkenbach und Lea (den Nachnamen will sie nicht veröffentlicht haben) von der jungen Initiative diskutieren über die Frage, wie das Erbe generationengerecht entstehen kann. Lea schreibt Stichpunkte auf ein Plakat: „Definition“, oder „Erben ist nie gerecht.“ Das Internet sei mit seiner Vernetzung „eine riesige Chance“, findet Stefan Berg, wenn es darum geht, verschiedene Gesellschaftsgruppen einzubeziehen. Die vier sind sich einig, dass Bildung wichtig ist, um sich mit dem Kulturerbe auseinanderzusetzen. Lea ergänzt „Zugang zu Bildung“ auf dem Plakat. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir vermitteln können,“ findet Berg und schlägt vor, junge Leute mit Youtube zu erreichen.

Ein Stockwerk weiter oben geht es um die Frage, ob kommenden Generationen unser Erbe wichtig ist. Zahlreiche Hände der Teilnehmer, die in einem Halbkreis sitzen, gehen hoch. Manche reden einfach drauflos. Ein Mann stellt die Gegenfrage, „Was passiert, wenn unser Erbe nicht weitergegeben würde?“ Andere murmeln zustimmend.

Erbe ist global

„Es ist schwer, wenn neue Ideen und Vorstellungen zur Gestaltung des Erbes ohne die Nachfolge-Generation entstehen. Trotzdem gibt es das kaum beim Erbe“, findet Till Wiebel, der sich mit „Erben als intergenerationelle Praxis“ befasst hat. „Ereignisse der Vergangenheit haben gezeigt, dass junge Menschen Verantwortung für Zukunft übernehmen können.“ Dabei meint er Klimawandel, Digitalisierung und Rechtsruck.

Tim Oswald, Olga Schesler, Agnesa Schmudtke und Mirwais Wafa – junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – haben sich damit befasst, was für sie Erbe bedeutet. Oswald, der in Deutschland aufgewachsen ist, sagt in einem Video-Beitrag: „Für meine Eltern und Großeltern ist das Erbe sehr lokal: Bräuche und Tradition.“

Das war für ihn auch so, bis er älter wurde, erzählt er. Dann erkannte er, „das immaterielle Erbe ist nicht an Ort oder ein Land gebunden. Viele verschiedene Kulturen teilen Erben“. Mirwais Wafa, der in Kabul geboren wurde und mit 16 Jahren nach Deutschland kam, findet, dass sich Kultur immer wandelt. „Wir wollen die kulturelle Vielfalt nutzen, um ein gemeinsames kulturelles Erbe zu schaffen.“

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