Kultur

Schauspiel Ewald Palmetshofers Stück „räuber.schuldenreich“ in Frankfurt uraufgeführt / Vermeintliche Neufassung gleicht eher einer Bearbeitung

Kampf der Generationen mit unlauteren Mitteln

Archivartikel

Da stehen sie nun, die dunklen Brüder, in einer dunklen Welt voller Asche und Müll, durch die träge Nebelschwaden wabern. Karl und Franz tragen schwarze Anzüge zum weißen T-Shirt und lockere Reisetaschen im Gepäck. Einer kann Autos knacken, der andere trägt ein Springmesser in der Tasche: Wer den Wohlstand nicht verdienen kann, der muss ihn sich nehmen.

Der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer hat bereits 2012 „räuber. schuldengenital“ geschrieben und ließ sich hierfür von Schillers „Räubern“ inspirieren. Geblieben sind allerdings fast nur die Namen der Brüder, Karl und Franz, die aus Not und Überdruss zu Räubern werden.

Dramatiker in Mannheim gespielt

Für das Schauspiel Frankfurt wurde das Stück jetzt noch einmal bearbeitet – die angekündigte „Frankfurter Neufassung“ wirkt allerdings recht hoch gegriffen, da die Striche und Erweiterungen nicht weit genug gehen, um als Neufassung durchzugehen. Vielleicht war der Titel einfach nur zu anstößig für das Frankfurter Publikum? Jetzt heißt das Stück jedenfalls „räuber. schuldenreich“. Und es ist, erstaunlich genug, das erste Mal, dass der vielgespielte Autor im Spielplan des Schauspiel Frankfurt steht, der seit seinem Erstling „hamlet ist tot. keine schwerkraft“ 2009 regelmäßig am Nationaltheater Mannheim zu sehen ist.

In den Kammerspielen also setzten Regisseur David Bösch und Bühnenbildner Falko Herold die Geschichte der glücklosen Brüder in tiefes Schwarz. Sie sind gekommen, sich ihr Stück vom Wohlstand zu nehmen, der in Gestalt ihrer Eltern daherkommt: Während aus Karl (Fridolin Sandmeyer) und Franz (Isaak Dentler) noch immer nichts Rechtes geworden ist, sitzen Otto und Linde zufrieden im Eigenheim samt sicherer Rente. Palmetshofer thematisiert hier deutlich die ehemalige „Generation Praktikum“, die in der Gesellschaft keinen Platz findet: Der Wohlstand, den die Nachkriegsgeneration erreichte, bleibt für die Jüngeren aus.

Heidi Ecks und Peter Schröder spielen das Paar hinreißend. Als sich die Söhne ankündigen, schwant den Alten Unheil: Kann es Liebe sein, die die beiden ins Elternhaus führt? Eltern wie Kinder werden zu Vertretern ihrer jeweiligen Generationen, der Stoff wird gleichsam entpersonalisiert. So ist die Fallhöhe einerseits tief in „räuber. schuldenreich“, andererseits scheint der Verlauf des Dramas von vornherein klar: Wo es keine Empathie gibt zwischen den Generationen, da kann nur Gewalt eine Lösung sein. Eine beklemmende, düstere Vision, die David Bösch und sein Ensemble ebenso düster auf die Bühne bringen.