Kultur

Torturmtheater Sommerhausen Erstaufführung des Drei-Personen-Stücks „Hund, Frau, Mann“ von Sibylle Berg

Katalysator in den Beziehungen zweier Menschen

Archivartikel

Tiere auf der Bühne sind nichts Besonderes. Und dass sie manchmal, vor allem in Märchenspielen, von Menschen verkörpert werden, ist auch nicht außergewöhnlich. Bei dem jetzt im Torturmtheater Sommerhausen erstaufgeführten Drei-Personen-Stück handelt es sich allerdings nicht um die Vorstellung eines Märchens.

„Hund, Frau, Mann“ heißt das von dem Buch „Liebe Pur“ der israelischen Autorin Yael Hedaya inspirierte Werk, das die 56-jährige, in Weimar geborene, in Zürich und Tel Aviv lebende Sibylle Berg geschrieben hat.

Ob es sich dabei überhaupt um ein Theaterstück handelt, wenn es auch 2001 im Stuttgarter Theater Rampe von Stephan Bruckmeier uraufgeführt wurde, darüber kann man trefflich streiten. Denn der Text bedarf nicht der Bühne, um so eine neue Dimension hinzuzugewinnen. Schließlich erzählt eben ein Schauspieler-Trio eine Geschichte. Und was man da noch zu sehen bekommt, das ist im Grund überflüssig und trägt nicht zur Verdeutlichung des Ganzen bei.

Hund als Moderator

Wie schon der Titel sagt, geht es um eine Dreierbeziehung zwischen einem Hund, einer Frau und einem Mann. Dabei spielt der Hund in der Zweierbeziehung zwischen der Frau und dem Mann im Grund nur eine untergeordnete Rolle.

In dem Text, dessen Vorstellung 70 Minuten dauert, spielt er dagegen eine wichtige Rolle. Er ist nämlich Moderator und Kommentator in einer Person. Er hat nicht nur das letzte Wort, wenn er zum Schluss verkündet: „Ich werde jetzt sterben, denn zu sagen bleibt mir nichts“. Zuvor ist er Katalysator in den Beziehungen der zwei Menschen und Enzym in deren jeweiligem Stoffwechsel.

Erzählt wird die Geschichte einer namenlosen Frau und eines namenlosen Mannes, die beide Single sind. Sie lernen sich kennen, kommen einander näher, wobei dann die Schlager-Frage auftaucht.

Bindung

„Gehen wir zu mir oder zu Dir“. Sie arrangieren sich, machen dann zusammen eine Reise nach Paris, und „nach der Rückkehr verschlechtert sich der Zustand rasch“, wie der Hund meint.

Doch das ist noch nicht das Ende. Der Mann wünscht sich nun getrennte Wohnungen, wird aber krank. Da ist für die Frau die Gelegenheit günstig, ihn zu pflegen und zu bemuttern. Doch nicht genug damit, sie fesselt ihn auch noch, will ihn so an sich binden und verhindern, dass er eine andere Wohnung sucht. „Nach drei Wochen gab der dann seinen Widerstand auf und sah ein, dass er nur durch einen Zufall freikommen konnte“ – und so ergibt er sich seinem Schicksal.

Guckkasten

Um nun das, was man mit verteilten Rollen hinter einem Tisch auf drei Stühlen sitzend, den Zuhörern auch lesend näherbringen könnte, sozusagen theatergerecht zu servieren, lässt sich die Regisseurin Eos Schopohl, unterstützt von der Choreografin Felicitas Sperr und dem für den Ton verantwortlichen Wolfgang Obrecht, in der sparsamen Ausstattung von Angelika Relin, in dem weißen Guckkasten einiges einfallen.

Da schneidet der Hund Grimassen. Da setzt der Mann einmal eine Maske auf und will die Frau überfallen. Da werden tanzartige Bewegungen und gymnastische Übungen gezeigt.

Da wird aus vorgefertigten Pappteilen eine Liege gebaut. Da gibt es Halleffekte. Da wird das eine oder andere Kostümteil aus- und dann wieder angezogen.

Immer ist etwas los

Da ist auf der Bühne immer etwas los, häufig aber nur, damit eben etwas passiert. Zum besseren Verständnis des Texts trägt das alles nicht bei. Arno Friedrich ist der Mensch als Hund in Bluejeans mit Leine.

Heide Hoffmann als Frau in Rot geizt nicht mit ihren Reizen. Burak Uzuncimen gibt den bärtigen, männlichen Mann in Sibylle Bergs „Hund, Frau, Mann“ im Torturmtheater Sommerpausen . Das Stück ist noch bis zum morgigen Samstag zu sehen.