Kultur

Roman Klaas Huizing schreibt vom „Testament der Kühe“ und spart nicht mit Ironie

Kaufmannssohn auf den Spuren des Religiösen

Historische Romane hat dieser Autor ebenso geschrieben wie gegenwärtige. Die historischen, über Persönlichkeiten wie Kant, Kierkegaard, Karl Barth oder sogar Jesus, wurden freilich meistens bekannter und auch erfolgreicher. Nun ist Klaas Huizing, der außer Schriftsteller auch Theologieprofessor in Würzburg ist, was seine Romane regelmäßig prägt, einen dritten Weg gegangen: Der Roman „Das Testament der Kühe“ spielt in der jüngeren Vergangenheit, lässt aber eine Welt auferstehen, die schon historisch ist; Spuren des Religiösen wird auch hier nachgespürt, und die Hauptfigur Hendrik Hemsterhuis erinnert in vielen biografischen Details an Huizing selbst.

Ein beinahe klassisch anmutender Bildungsroman ist das, er erzählt vom Werden eines calvinistisch erzogenen Kaufmannssohnes, der in Niedersachsen nahe der holländischen Grenze aufwächst, die elterliche Firma übernehmen, dann aber wegen seiner Begabungen Pastor werden soll – und der schließlich doch etwas anderes macht. Farbig schildert der Autor einschlägige Erfahrungen des Jugendlichen und Studenten, nicht zuletzt mit Frauen, und das auch in Heidelberg. Und weil das Buch von Huizing ist, findet sich darin erneut viel Ironie. Die Jugend in den 1960er und -70er Jahren ist beinahe typisch, zahlreiche Markennamen, die den Alltag prägen, lassen keinen Zweifel. Die religiöse Prägung aber und Karriereplanung machen Hendrik doch zum sehr besonderen Fall.

Huizing schreibt erneut sehr unterhaltsam, hat aber immer auch ein größeres Ganzes im Blick. Die gründliche Analyse einer Lebensform gelingt wie nebenbei. Was es mit den im Titel erwähnten Kühen auf sich hat und wieso Hendrik schließlich zum streitbaren Vegetarier wird, liest man am besten selbst. Verraten werden darf immerhin noch, dass dies auch ein Buch der Befreiung ist – und der Einsicht, dass man gewissen Einflüssen nicht entkommt. Wer einmal calvinistisch geprägt worden ist, bleibt missionarisch und ehrgeizig wohl auf ewig.

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