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Kaum bekanntes Bildschirmgold

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Unterschätzte Serien I: Vom Mainstream außen vor gelassene Werke bieten Spannung – sie müssen nur entdeckt werden

Es gibt Serien, über die reden alle. Und es gibt Serien, über die redet keiner. Wir haben daher ein kleines „Best of“ der nicht allzubekannten Serien zusammengetragen. Denn bei diesen findet die Redaktion: Reinschauen lohnt sich! Vom klassischen Nordic-Noir-Serienhit bis gesellschaftkritischen Serie ist alles dabei.

„Springflut“

Mit einem eindringlichen Szenario eröffnen die Drehbuch-Autoren Rolf und Cilla Börjlind das schwedische Serienabenteuer: Eine hochschwangere Frau am idyllischen Strand von Nordkoster, die bis zum Kopf eingegraben wurde. Dann kommt die Flut und man weiß: diese Frau wird die laue Vollmondnacht nicht überleben. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 25-jährige Olivia Rönning, eine angehende Polizistin, die erkennt, dass sie sich erst ihrer persönlichen Vergangenheit stellen muss, bevor sie dem Mörder von Nordkoster das Handwerk legen kann. An ihrer Seite ist der ehemalige Star-Ermittler Tom Stilton, der nach einem persönlichen Schicksalsschlag als Obdachloser auf den Straßen von Stockholm lebt.

Beide Figuren trennen nicht nur Alter und soziale Herkunft: die offen, entschlossene und zukunftsorientiert agierende Olivia trifft auf einen verschlossen Misanthropen, der alten Zeiten hinterher trauert. Gegensätzlich auch die Milieus, in denen sich die Ermittler bewegen. Das politische Establishment der Stockholmer Oberschicht trifft hier auf die bunt bevölkerte Obdachlosenszene der Stadt.Und auch der Spielort wechselt von der felsigen Westküste Schwedens an die schillernden Strände Costa Ricas und zurück. So kommt es zur kontrastreichen uns charakterstarken Auflösung einer faszinierenden Mordgeschichte. Die Serie ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

„Blutsbande“

Die fünfteilige Krimireihe „Hanna Svensson – Blutsbande“ hat das Zeug dazu, bei den Zuschauenden für wache Nächte zu sorgen. Kurz gesagt: Absolute Suchtgefahr im Nordic-Noir-Stil. Die taffe Kommissarin Hanna Svensson (Marie Richardson) kämpft gegen eine Drogenorganisation. Was sie nicht weiß: Dass ihr Sohn Christian (Adam Pålsson) sich dort bereits als V-Mann eingeschlichen hat.

Zur Vorgeschichte: Das Mutter-Sohn-Verhältnis zwischen Hanna und Christian ist kaputt, seit die Polizistin ihren Sohn als Drogenkurier enttarnt hat. Die zwei Jahre im Gefängnis haben Christian stark verändert. Er hat sich Sven (Johan Hedenberg), Kollege und heimlicher Geliebter seiner Mutter, als V-Mann angeboten. Jetzt arbeitet Christian als Tellerwäscher im Restaurant von Davor Mimica (Alexej Manelov). Der wiederum ist Kopf einer kroatischen Mafiafamilie. Als Sven entführt wird, übernimmt Hanna die Ermittlungen. Doch wegen der anonymen Kommunikation per Handy wissen weder sie noch Christian, wer jeweils der andere ist. Die Serie ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

„The Fall – Tod in Belfast“

Über zehn Jahre hatte es gedauert, bis „Akte X“-Star Gillian Anderson wieder in einer Serienrolle auftauchte. Dann wurde sie von der BBC für die Hauptrolle der internationalen Koproduktion „The Fall – Tod in Belfast“ besetzt, die Netflix anbietet. Anderson ist Detective Superintendent Stella Gibson die aus London ins nordirische Belfast gerufen wird, wo sie die örtlichen Behörden bei der Lösung eines ungeklärten Mordfalls unterstützen soll. Bei ihren Ermittlungen kreuzt sie immer wieder die Wege des Therapeuten Paul Spector (Jamie Dornan, „Fifty Shades of Grey“).

Tagsüber ist dieser ein einfühlsamer Familientherapeut und liebevoller Vater, doch nachts mutiert er zum kaltblütigen Frauenmörder. Düster, spannend ist diese Serie geworden und lebt vor allem von den vielfältigen Handlungssträngen, die Komplexität garantieren. Die beiden Hauptdarsteller brillieren in ihren Rollen.

„Die Telefonistinnen“

Die Telefonistinnen alias „Las Chicas del Cable“ von Ramón Campos und Teresa Fernández-Valdés ist ein spanisches Seriendrama von Netflix. Im Madrid des Jahres 1928 ist die Handlung angesiedelt und berichtet von der ersten Telefongesellschaft die dort inmitten des Stadtkerns eröffnet. Junge Frauen bekommen dort die Möglichkeit, sich zu verwirklichen – und das in einer von Männern geprägten Gesellschaft. Es bewerben sich in der Folge mehrere hundert Frauen um den „Cable-Girl-Job“. Aber nur wenige kommen auch in das Unternehmen. Dieses steht symbolisch für das moderne Leben. Im Zentrum der Geschichte der Serie Las Chicas del Cable sind vier Frauen, die den Job bekommen haben und jetzt als Telefonistinnen arbeiten. Sie stammen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten, doch sie haben alle dieselben Probleme: Denn ihre Stimmen werden in der von Männern dominierten Gesellschaft nicht gehört. Also beschließen die Protagonistinnen Lidia, Marga, Carlota und Ángeles, dass sie sich nicht länger vorschreiben lassen wollen, was sie tun und was sie nicht tun dürfen. see