Kultur

Open Air Die australischen Politrocker „Midnight Oil“ liefern am Mittwoch auf der Freilichtbühne Killesberg vor rund 2500 Fans eine fulminante Show ab

Kernige Rocksongs für Bauch, Beine und Hirn

Archivartikel

Es gab mal eine Zeit, in der politische Rocksongs ganz oben standen in den Charts, sowohl bei den Alben als auch bei den Singles. Die Hits mit Botschaft sogar die Tanzflächen der Discos füllten. Ein Exemplar dieser Spezies war „Beds are Burning“ von „Midnight Oil“. Lang ist’s her. Mittlereile fristet diese Lied-Gattung eher ein Schattendasein.

Lang ist’s auch her, dass die aus-tralische Band in Deutschland aufgetreten ist. Nach rund 15-jähriger Bandpause sind die Mannen um Sänger und Mastermind Peter Garrett nun wieder unterwegs und begeistern unter anderem die Fans auf der Freilichtbühne Killesberg in Stuttgart mit einer fulminanten, in Sachen Sound Maßstäbe setzenden zweistündigen Show.

„Ich freue mich, dass ein paar Leute ein paar Jahre auf ein paar Songs mit Aussage gewartet haben“, flachst Peter Garrett zu Beginn der Show ins idyllische Rund. Ein paar Jahre lässt da schmunzeln. 15 Jahre hat die Band pausiert. Garrett hat während der Auszeit eine politische Karriere hingelegt, die ihn sogar zu Minister-Ehren seines Landes geführt hat. 15 Jahre sind im Rockgeschäft nahezu eine Ewigkeit. Und die Band bekommt das beim Zuschauerzuspruch zu spüren. Aus den Massen von einst ist eher ein Häuflein Getreuer geworden.

Lediglich rund 2500 Fans finden den Weg zum Konzert und füllen die Arena auf dem Killesberg nur zu zwei Drittel. Gut, nach der langen Zeitspanne dürfte ein Teil der Fans einfach aufgrund des hohen Alters die Mühen eines Open-Airs nicht mehr in Angriff nehmen wollen oder haben schon das Zeitliche gesegnet.

Gut, dass auch etliche Jüngere gekommen sind. Überhaupt, das Publikum ist bunt gemischt, wie die unterschiedlichen Dresscodes verraten. Von alternativ mit Jesus-Latschen über sportlich-luftig in Sneakers bis hin zu locker-geschäftlich mit Slippern findet sich ein breiter Querschnitt. Sogar zwei Rocker mit Kutte gesellen sich in die heterogene Runde und wippen im Takt mit.

Während sich die Welt seit der Blütezeit der Australier weiter gedreht hat, scheinen zwei Dinge unverändert geblieben zu sein. Das eine ist Peter Garrett. Die Stimme des mittlerweile 66-Jährigen ist ebenso charismatisch wie früher. Auch das Stakkato-Tanzen, irgendwo zwischen „Kraftwerk“, „Moonwalk“ und Mick Jagger ist dasselbe geblieben – befremdend und begeisternd gleichermaßen.

Und natürlich ist da der Rockklassiker, der Evergreen, der die Zeit schadlos überstanden hat: „Es ist nichts anderes als ein Statement für die Rechte der Aborigines“, kündigt Garrett den Song an, auf den alle gewartet haben. „Beds are burning“ zündet wie vor 30 Jahren, versetzt alle in Verzückung, nicht zuletzt durch den brillanten Sound.

Aber das Konzert auf den einen „Übersong“ zu reduzieren, würde dem feinen Auftritt der Australier nicht gerecht. Vom ersten Ton an dringt der treibende Gitarren-Rock, nur gelegentlich von intensiven Balladen unterbrochen, in die Gehörgange und animiert den Bewegungsdrang. Bei aller politischen Botschaft der Songs: Der Spaß an der Musik steht an diesem Sommerabend eindeutig im Vordergrund.

Am großen Unterhaltungswert der Rock-Show haben Garretts Mitstreiter an Gitarre, Bass, Drums und Keyboards, allesamt Könner ihre Fachs, einen hohen Anteil. Natürlich kann die Band aus dem vollen schöpfen. Immerhin steht ihnen ein Repertoire aus elf Studioalben zur Verfügung.

So bleibt abschließend nur festzustellen: Schade, dass nicht mehr Leute dabei waren. Die Show hätte das Etikett „Ausverkauft“ verdient gehabt. Das Prädikat „Absolut klasse“ haben sich die Australier aber auf jeden Fall erworben.