Kultur

Filmfestival I Auch Programm für kleine Zuschauer gehört dazu

Kinobesuch als Ereignis

Kindliches Stimmengewirr hallt durch das zweite Obergeschoss des Stadthauses N 1. "Wow, das ist das Kino?", ertönt es aus der Traube junger Menschen, die gemeinsam die Treppe heraufsteigen. Das Internationale Filmfestival bietet auch den Kleinsten ein Repertoire an Filmen, die nicht bloß Lehrcharakter, sondern auch Unterhaltungswert bieten. "Es ist mal etwas anderes, wenn wir ins Kino gehen", erklärt Lehrerin Linda Gräfinger. Sie unterrichtet die fünfte Klasse der Rheinauschule-Förderschule. "Es ist einfach schön, etwas gemeinsam zu unternehmen." Für die Schüler sei es eine willkommene Abwechslung.

Auf dem Programm steht "Blanka". "Sie ist ein Waisenkind, wie Pippi Langstrumpf", erklärt die zehnjährige Leonie."Sie wohnt ganz alleine", ergänzt ihre Klassenkameradin Shanaya. Wie die meisten Festivalfilme wird "Blanka" in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt. Rolf-Rüdiger Hamacher, der die Kinderfilme schon seit den 1980er Jahren für das Festival auswählt, spricht die Untertitel zusätzlich ein. Denn "man weiß ja nicht, ob die Kinder schnell genug lesen können", so Hamacher später im Gespräch. Wahrscheinlich könnten sie das schon, denkt er. In anderen Ländern sei es schließlich üblich, dass Filme in Originalsprache mit Untertitel angeschaut werden.

Der 71-Jährige möchte Kinder ans Kino heranführen, das Filmschauen als Ereignis statuieren. Denn im Grunde könne man es heutzutage nicht mehr als Vergnügen ansehen. "Es gibt zu viele Ablenkungen", sagt er. Smartphones oder Soziale Medien - das störe die Konzentration. "Deshalb gibt es hier auch kein Popcorn", so der Filmliebhaber. "Das raschelt zu sehr."

Kinder würden sich, laut Hamacher, auf dem Festival sogar Filme anschauen, die sie unter normalen Umständen nicht ausgewählt hätten. Meist seien es die Eltern oder Lehrer, die den Film festlegen. Doch so könne man die Kleinen an Themen heranführen, die ihnen noch fremd sind. Wie leben Kinder in anderen Ländern? Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen? "Selbst Dokumentarfilme sind hier immer sehr beliebt", sagt Hamacher.

So zeigt es sich auch bei "Blanka". Gebannt fokussieren sich die Schüler auf die Leinwand. Kein Mucks, keine unruhigen Bewegungen, und hinterher gibt es sogar Applaus.