Kultur

Pop In der Feuerwache gastiert Band Bohren & der Club of Gore

Klänge aus der Finsternis

Sparsam ziehen die Tonfluten vor sich hin, die „Bohren & der Club of Gore“ durch eine prächtig besetzte Alte Feuerwache flirren lassen. Dabei ist Pracht wirklich das Letzte, das man den Melodien von Morten Gass, Robin Rodenberg und Christoph Clöser anhörte. Stattdessen formuliert das Trio einen Abgesang der Jetztzeit, den die Abgrundspoeten mit spärlich illuminierenden Hängelampen in nahezu vollkommener Nachtoptik vollführen.

Die funkelnde Trommel, die einsam beleuchtet durch die Dunkelheit rotiert, bleibt der einzige Hoffnungsschimmer in diesen Echoräumen des Nihilismus. Selbst die Hommage auf das einzige deutsche Bond-Girl Karin Dor ist eine schicksalsverliebte Fahrt ins Dickicht der Depression. Die Trostlosigkeit ist hier ein Bekenntnis, das keine triste Illustration mehr benötigt.

Knappe Ansagen

Dabei ist der Kern dessen, was das Kollektiv seit drei Jahrzehnten aus Mellotron, Saxophon und Kontrabass zu einem Bad der Finsternis vereint, doch ein zutiefst progressiver. Lange bevor Künstler wie „Alcest“ auch nur an die Verschmelzung von Minimal und Ambient dachten, trafen sich im Dark Jazz dieser finsteren Drei epische Momente, wie sie sonst nur bei „Candlemass“ zu haben waren, mit poetischem Lyric Jazz, wie ihn heute Julia Hülsmann verkörpert. Gering ist diese Errungenschaft keineswegs.

Dass das Trio in die Schwärze dabei ebenso verliebt ist, wie in den Minimalismus, der die Melodien oft wie zähes Magma in voluminöse Langsamkeit ausfließen lässt, darf man ebenso bemerkenswert wie konsequent nennen. Denn obwohl die raren Ansagen dieser Stunden voller Sarkasmus stecken und „drei postromantische SPD-Wähler“ als schwarzhumorige Protagonisten kennzeichnen, ändert das nichts an der hypnotischen Kraft ihrer Werke.

So manch einer kann und will sich gar nicht mehr auf den Stühlen halten, reckt alle viere von sich und träumt sich auf dem kühlen Hallenboden hinein in eine Melancholie, die nichts zerschmettert, sondern Lebensmüde ins weiche Klangbett ihrer Seelenödnis gleiten lässt. Vielleicht macht genau das dieses Konzert am Ende so stark: Dass es die letzten Lebenskämpfe nicht nur en détail zelebriert, sondern als verführerisches Lebensmodell feiert. Ganz vorbehaltlos.