Kultur

Klassik Stefan Blunier leitet Konzert der Musikhochschule

Klänge der russischen Seele

Archivartikel

„Russische Seele“ – mit dem Motto lockt man auch jene Laufkundschaft an, die dann zwischen den Sätzen klatscht. Ansonsten waren beim jüngsten Konzert des Hochschulorchesters unter dem noch ziemlich neuen Dirigierprofessor Stefan Blunier reichlich Lehrende und Lernende der hiesigen Musikhochschule im Publikum. Fast eine Prüfungssituation für den 30-jährigen Pianisten Stanislav Novitskiy, der freilich sein Künstlerdiplom schon 2012 mit der Note 1 erworben hat und derzeit noch ein (Solisten-)Aufbaustudium bei Paul Dan absolviert.

Große romantische Themen

Dass Novitskiy längst ein gestandener Solist ist, beweist sein kraftvoller Zugriff im Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll Op. 18 von Sergej Rachmaninow, der sich selbstbewusst gegen den Breitwandsound des Orchesters behauptet, seine differenzierte Anschlagskultur und die Sensibilität, mit der er die großen romantischen Themen „singt“ und die virtuosen Kadenzen bewältigt. Stefan Blunier und das hellwach reagierende Orchester sekundieren ihm dabei großartig.

Als Einstimmung war zuvor Rachmaninows anmutige „Vocalise“ erklungen, eigentlich konzipiert für eine Singstimme, vielfältig für Soloinstrumente arrangiert, hier in des Meisters eigener Transkription für großes Orchester, von Stefan Blunier im Programmheft zu Recht ein „elegisches Kleinod“ genannt.

Zum Ausklang dann Modest Mussorgskis genialer Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ in Maurice Ravels populärer Orchestrierung. Formidable Programmmusik fürwahr, durchaus prädestiniert, die hohe Qualität des hiesigen Hochschulorchesters in hellem Licht zu zeigen. Makellose Bläsersoli, hohe Präzision bei den Streichern selbst bei aberwitzigem Tempo (beim „Kükenballett“ und auf dem „Marktplatz von Limoges“), gewaltige Klangpracht (in den „Katakomben“ und beim finalen „Großen Tor von Kiew“) – Gründe genug, das Orchester und seinen fabelhaften Dirigenten ausgiebig und lautstark zu feiern.