Kultur

Pop Jim Kahr und Band überzeugen im Mannheimer Capitol mit einem Blueskonzert voller Rauch, Ruß und Rock ’n’ Roll

Klangübung für Bauch, Beine und Seele

Archivartikel

Manchmal können wenige Worte sehr vielsagend sein: „I Play The Blues For You“, singt Jim Kahr, während seine Hände in wirbelnder Virtuosität über die Gitarre gleiten – er spielt den Blues, in diesem Fall für uns, die Besucher im Mannheimer Capitol. Und wie er ihn spielt und singt: Da dringen Rauch und Ruß und Rock ‘n’ Roll aus Fingern und Stimme des Altmeisters, gleichzeitig treibt Kahr das Stück mit seiner Band ins Hypnotische, geradezu Psychedelische.

Die vier Musiker setzen damit ein Glanzlicht im Programm des gut besuchten, über zweieinhalbstündigen Konzerts, dem an diesem Ort gewissermaßen auch eine historische Dimension zukommt: Als junger Gitarrist sei der 1952 in Chicago geborene und aufgewachsene Kahr bei Blues-Größen wie John Lee Hooker engagiert gewesen, berichtet Bernd Graßmann (von Kahrs Agentur Graßmann-Entertainment) einläutend. Kahr begleitete Hooker demnach auch auf einer Europatournee und sei dabei irgendwann nach Mannheim gekommen, wo er als erste Band überhaupt 1979 live im Capitol spielte – das bis zum damaligen Zeitpunkt ein reines Kino war.

In Mannheim hat Kahr später auch jahrelang gelebt, bevor er in die USA zurückkehrte. Seine seine aktuelle CD wiederum heißt „Find My Way Home“ – damit findet er (oder sucht noch?) den Weg nach Hause. In diesem Titel lässt sich zugleich ein Kernelement, eine treibende Kraft des Blues’ erkennen: Wer ihn hat, ist immer auch ein Verlorener, ein Getriebener und Suchender.

Gefunden hat Kahr mit Saxofonist Ian Fullwood, Yves DeVille am Schlagzeug und (ebenfalls ein ehemaliger Mannheimer) Sebastian „Schlapbe“ Flach am Bass jedenfalls eine exquisite Band. Die Vier reüssieren im kantigen Chicago-Sound („Big City Struggle“), zeigen sich Groove-stark in „Chicago My Town“ und „Like The Way You Do“, verstehen sich ebenso auf prickelnden Funk-Blues und Boogie („Keepin’ It Hot“), während Kahr, allein mit seiner Akustikgitarre auf der nah ans Publikum vorgelagerten Mittelbühne, auch im gefühlvollen Balladenton besticht.

Die Musiker liefern mithin gleichsam eine hocheffiziente und ansprechende Bauch-Beine-Seele-Klangübung für den Zuhörer. Wobei immer auch willkommener Raum für ausgedehnte Instrumentalparts und solistische Entfaltung der Künstler bleibt. Als Überraschungsgast sorgt zudem Sängerin AQuilla Fearon für einen klangschönen „Summertime“-Streifzug. Mit einem Cover bestreitet Kahr schließlich auch die Zugabe – Lou Reeds „Walk On A Wildside“, in welches das Quartett nonchalant „My Girl“ von The Temptations einarbeitet. Was bleibt zu sagen? Kahr hat den Blues für uns gespielt – und es war fabelhaft.

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