Kultur

Klassik Pavel-Haas-Quartett überzeugt in Mannheim

Klangvolle Erlebnisse

Archivartikel

Viel Autobiografisches der Herren Smetana, Janácek und Tschaikowski stand auf dem Programm des Pavel-Haas-Quartetts, das die Primaria Veronika Jaruskowa, den zweiten Geiger Marek Zwiebel, den Bratscher Jiri Kabat und den Cellisten Peter Jarusek dazu zwang, emotional Farbe zu bekennen. Schon im Kopfsatz des zweiten Smetana-Streichquartetts d-Moll demonstrierte die Formation interpretatorischen Gleichklang in Fragen der Dynamik und Agogik neben der lässigen Beherrschung aller technischen Anforderungen.

Melancholischer Klangzauber

Auch Leos Janáceks Streichquartett Nr. 1 trägt nicht von ungefähr in allen Sätzen die Vortragsbezeichnung „con moto“ (bewegt). Die Obsession einer späten Leidenschaft des Komponisten und seine Empathie für die unselige Heldin in Leo Tolstois Novelle „Die Kreutzersonate“ sind hier zu einem schroffen Klangbild verwoben, vom Pavel-Haas-Quartett mit herber Glut realisiert.

Viel melancholischer Klangzauber hingegen bei Peter Tschaikowskis Streichquartett Nr. 3 es-Moll, auch wenn der dritte Satz (Andante funebre e dolorosa) in radikalem Kontrast zum lebensfrohen, virtuosen Finalsatz steht. Nach zahlreichen Verbeugungs-Défilées warteten die Künstler, ob der überaus herzliche Applaus nicht doch abebbt – vergeblich. Schließlich gewährten sie noch eine Passage aus dem Liederzyklus „Zypressen“ von Antonin Dvorák. WB