Kultur

Klassik Bennewitz Quartett im Florian-Waldeck-Saal begeistert

Klarheit als gemeinsame Absicht

Archivartikel

Die Katastrophe ereignet sich im letzten Satz. Jedenfalls der Hinweis darauf. Denn dort hat Bedrich Smetana seine Ertaubung mit einem Klangsymbol zu beschreiben versucht und lässt ein viergestrichenes E (e’’’’) quälend scharf über einer Tremolo-Bewegung erklingen. Ein beklemmender Störfall. „Aus meinem Leben“ nennt der Komponist sein e-Moll-Streichquartett, das die Mitglieder des Bennewitz Quartetts an den Schluss ihres Konzerts gesetzt hatten.

Ein Stück voller Kontraste. Zwischen schwelgerischer Hingabe und hochexpressiven Zäsuren fordert eine stets aufreizende Unruhe das konzentrierte Spiel der vier Instrumentalisten konsequent heraus. Was sie auf Einladung der „Kammermusik Mannheim“ im Florian Waldeck-Saal der Reiss-Engelhorn-Museen durchgängig bieten, ist ein individuell geschärfter, spannungsreicher Dialog mit der kompositorischen Vorlage, deren oft brennende Vehemenz jene Energien freisetzt, aus der Musik ihre formende Kraft bezieht. Bereits in Haydns Es-Dur-Streichquartett op. 33, Nr. 2 zeigte sich eine Qualität des Zusammenspiels, die bewusst auf Klarheit und innere Balance zielt. Emotionale Befindlichkeiten schließt das nicht aus. Schließlich hat Haydn in seinen „Russischen Quartetten“ nicht nur schöpferische Lösungen für die Verknüpfungen von polyphonen und homophonen Passagen gefunden, sondern darin auch so manche lyrische Geste zärtlich versteckt.

Souverän und glänzend

Im Vergleich dazu, ist Paul Hindemiths „Minimax“, eine beglückende Parodie auf die Salon- und Militärmusik der 1920er Jahre, aus ganz anderem Holz geschnitzt. Ein oft derber, aber immer geistreicher musikalischer Spaß, den die Interpreten mit kleinen darstellerischen Einlagen amüsant ergänzen. Doch Hindemith wäre nicht der, der er war, hätte er die einzelnen Sätze einfach nur schmunzelnd provokant niedergeschrieben. Nein: Alles ist kompositorisch brillant gearbeitet, zum Teil gespickt mit enormen technischen Schwierigkeiten. Aber die bewältigt das Bennewitz Quartett ebenso souverän und glänzend wie die beiden Zugaben von Erwin Schulhoff.

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